In Rio de Janeiro wird bekanntlich alles ein bisschen größer gedacht: die Kostüme, die Festwagen – und offenbar auch die politische Symbolik. Beim diesjährigen Karneval sorgte eine Sambaschule für rhythmische Rechtsunsicherheit, indem sie Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gleich eine ganze Parade widmete. Titel: „Vom Gipfel des Mulungu entspringt die Hoffnung: Lula, der Arbeiter Brasiliens“. Subtil geht anders.
Auf einem überdimensionalen Festwagen thronte Lula als Mischung aus Nationalheld, Hoffnungsträger und vermutlich bald wieder Spitzenkandidat. Der 80-Jährige verfolgte das Spektakel entspannt von der Ehrentribüne – rein zufällig natürlich in einem Jahr, in dem er für seine vierte Amtszeit kandidieren will. Offiziell ist er zwar noch kein registrierter Kandidat. Inoffiziell reichte die Choreografie schon fast für ein Wahlplakat im XXL-Format.
Die Opposition versuchte, den Umzug gerichtlich zu stoppen – erfolglos. Das Wahlgericht entschied, man könne eine Sambaschule nicht vorab zensieren. Gleichzeitig mahnte es vorsorglich, der Karneval sei kein Wahlkampfbüro mit Glitzerlizenz. Man werde das Ganze „prüfen“. In Brasilien heißt das: später.
Rechtsexperten warnten vor möglichen Geldstrafen oder dem Verlust kostenloser Sendezeit. Doch Organisator Tiago Martins beschwichtigte: Man habe lediglich den Nordosten Brasiliens thematisieren wollen – und irgendwie sei man dann bei Lula gelandet. Kann ja passieren.
Kritiker fragen sich nun, ob zwischen Sambatrommeln und Konfettiregen nicht doch ein wenig Wahlkampf mitschwang. Unterstützer sagen: Lula habe eine Hommage verdient. Skeptiker murmeln: Wenn das keine Wahlwerbung ist, dann ist ein Wahlplakat nur moderne Straßenkunst.
So bleibt die große Frage: War es politische Propaganda im Federkostüm – oder einfach nur ein besonders rhythmischer Zufall? In Rio verschwimmen bekanntlich die Grenzen. Zwischen Tanz und Taktik offenbar auch.
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