Nach dem verheerenden Amoklauf in Tumbler Ridge in der kanadischen Provinz British Columbia hat Kanadas Minister für Künstliche Intelligenz, Evan Solomon, leitende Vertreter von OpenAI einbestellt. Bei der Tat am 10. Februar wurden acht Menschen getötet, darunter sechs kleine Kinder. Es handelt sich um eines der schwersten Gewaltverbrechen in der jüngeren Geschichte Kanadas.
OpenAI hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass ein ChatGPT-Konto, das dem mutmaßlichen Täter gehörte, bereits mehr als ein halbes Jahr vor der Tat gesperrt worden sei. Damals habe man die Behörden jedoch nicht informiert, da die Inhalte nach interner Bewertung nicht die Schwelle einer glaubwürdigen oder unmittelbar bevorstehenden schweren Gewalttat überschritten hätten.
AI-Minister Solomon zeigte sich „zutiefst beunruhigt“ über diese Enthüllungen. Bei einem Treffen in Ottawa sollen OpenAI-Vertreter nun ihre Sicherheitsprotokolle erläutern – insbesondere, nach welchen Kriterien potenziell gefährliche Inhalte an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden.
Der 18-jährige Jesse Van Rootselaar wurde von der Polizei als Tatverdächtiger identifiziert. Er erschoss mehrere Menschen in seinem Wohnhaus und an einer örtlichen Schule, bevor er sich selbst tötete. Unter den Opfern befanden sich auch seine Mutter und sein 11-jähriger Stiefbruder. Die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) untersucht weiterhin die Hintergründe, einschließlich der Online-Aktivitäten des Täters.
Laut RCMP hatte OpenAI nach der Tat proaktiv Kontakt mit den Ermittlern aufgenommen und Informationen bereitgestellt. Medienberichten zufolge hatte es intern bei OpenAI Diskussionen gegeben: Einige Mitarbeitende sahen in den Beiträgen des Nutzers Anzeichen realer Gewaltabsichten und plädierten für eine Meldung an Behörden. Die Unternehmensführung entschied sich jedoch dagegen.
OpenAI erklärte, man werde in Ottawa die bestehenden Schutzmechanismen und kontinuierliche Verbesserungen im Bereich Sicherheit darlegen. Man unterstütze die laufenden Ermittlungen und denke an die Opfer.
In Tumbler Ridge, einer Gemeinde mit rund 2.300 Einwohnern, finden inzwischen Gedenkveranstaltungen statt. Eine Familie musste eine private Trauerfeier nach Drohungen absagen; die Polizei hat Schutzmaßnahmen eingeleitet.
Der Fall wirft erneut grundsätzliche Fragen auf: Wann müssen KI-Anbieter bei potenziell gefährlichen Inhalten eingreifen – und ab welchem Punkt sind sie verpflichtet, Behörden einzuschalten?
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