Kanadas konservativer Oppositionsführer Pierre Poilievre hat in einem ungewöhnlichen Format um internationale Aufmerksamkeit geworben: In einem Gespräch mit dem US-Podcaster Joe Rogan sprach er über Handelspolitik, Fitness – und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.
Zentrales Anliegen Poilievres war dabei die Kritik an den von US-Präsident Donald Trump verhängten Zöllen. Diese schadeten beiden Seiten, argumentierte er, und sollten abgeschafft werden. Kanada könne im Gegenzug einen Beitrag zur Stabilisierung der Energiepreise in den USA leisten, etwa durch verstärkte Ölexporte. Auch niedrigere Zölle auf Holz und Aluminium würden, so Poilievre, die Kosten für Wohnungsbau und Fahrzeuge in den USA senken.
Der Auftritt ist Teil einer US-Reise des Oppositionspolitikers, mit der er sein internationales Profil schärfen will. In Umfragen liegt er derzeit hinter Premierminister Mark Carney. Stationen seiner Reise waren unter anderem Detroit und Texas, wo er mit Vertretern der Auto- und Energiebranche sprach. Zum Abschluss wird Poilievre in New York erwartet.
Im Podcast selbst begann das Gespräch demonstrativ locker: Poilievre überreichte Rogan eine in Kanada gefertigte Kettlebell, bevor beide über Kampfsport und Training sprachen. Erst danach wandte sich die Diskussion politischen Themen zu.
Auf die Frage, ob er seine Positionen direkt mit Trump abgestimmt habe, verwies Poilievre auf diplomatische Gepflogenheiten. Es gebe „immer nur einen Premierminister zur Zeit“, sagte er – und überließ die offiziellen Verhandlungen bewusst der Regierung.
Neben Handelspolitik ging es auch um innenpolitische Themen. So verteidigte Poilievre grundsätzlich das Recht auf assistierten Suizid, äußerte jedoch Bedenken gegen eine Ausweitung auf psychische Erkrankungen.
Der Auftritt markiert eine Kehrtwende: Noch im vergangenen Jahr hatte Poilievre eine Einladung Rogans ausgeschlagen. Nun bezeichnete er den Podcaster als „großartigen Kerl“ und begründete seine frühere Absage mit Terminkonflikten im Wahlkampf.
Die Reise fällt in eine Phase wichtiger wirtschaftspolitischer Weichenstellungen. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen steht in diesem Jahr turnusgemäß zur Überprüfung an. Gleichzeitig bemüht sich Kanada, seine Handelsbeziehungen breiter aufzustellen – auch als Reaktion auf zunehmende Spannungen mit den USA.
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