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Kampf um das flüssige Gold: Entsorger schlagen Alarm wegen rasant zunehmender Altfett-Diebstähle

jarmoluk (CC0), Pixabay
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Die Entsorgungswirtschaft schlägt Alarm: Der Diebstahl von Altfett hat sich zu einem bundesweiten Phänomen entwickelt, das weit über einfache Gelegenheitsdelikte hinausgeht. Was früher als wertloser Küchenabfall galt, ist heute ein begehrter Rohstoff – und genau das macht Alt-Speisefett zur idealen Beute für organisierte Kriminalität.

Organisierte Banden operieren im ganzen Land

Nach Angaben des Branchenverbands BDE werden die Diebstähle inzwischen professionell geplant und häufig arbeitsteilig durchgeführt. Tätergruppen fahren nachts oder frühmorgens gezielt Restaurants, Imbisse und Hotels an, öffnen verschlossene Sammelbehälter und pumpen das Fett in eigens präparierte Fahrzeuge um. Manche Banden geben sich sogar als offizielle Entsorger aus, um Verdacht zu vermeiden.

BDE-Bereichsleiter Stephan Roth erklärt im MDR-Interview, dass die Dimension der Diebstähle von vielen Polizeidienststellen unterschätzt werde. Während einzelne Vorfälle häufig als bloße Sachbeschädigungen oder geringwertige Eigentumsdelikte eingestuft werden, zeigen Gesamtzahlen ein ganz anderes Bild: Die Schadenssumme erreicht inzwischen mehrere Millionen Euro jährlich.

Warum ist Altfett so wertvoll?

Der Grund liegt in der Energiewende. Aus recyceltem Speisefett lässt sich hochwertiger Biodiesel herstellen, der sowohl in der Industrie als auch im Transportsektor gefragt ist. Der Preis für diese Rohstoffe ist in den letzten Jahren teilweise stark gestiegen, was den illegalen Markt zusätzlich befeuert.

„Altfett ist für Kriminelle inzwischen fast so lukrativ wie Metalldiebstähle oder der Handel mit gefälschten Waren“, warnt Roth. Die Banden verdienten doppelt: Sie sparen Entsorgungskosten und können die gestohlene Ware zu marktüblichen Preisen verkaufen.

Gastronomie und Entsorger bleiben auf Schäden sitzen

Für Restaurantbetriebe bedeutet der Diebstahl nicht nur den Verlust des Fettes, sondern häufig auch beschädigte oder zerstörte Sammelbehälter. Entsorgungsunternehmen müssen zudem Ausfälle kompensieren, Touren umplanen und rechtliche Unklarheiten klären. In der Summe entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden, der bislang kaum in Statistiken auftaucht.

Hinzu kommt ein hygienisches Risiko: Unsachgemäß entnommenes oder gelagertes Fett kann kontaminiert werden – mit potenziellen Folgen für die weitere Verarbeitung.

Forderung: Polizei, Behörden und Kommunen müssen enger kooperieren

Der BDE fordert deshalb ein bundesweit koordiniertes Vorgehen, da die Tätergruppen häufig überregional operieren und sich dadurch der Strafverfolgung entziehen. Die Erfassung der Fälle müsse verbessert und der Informationsaustausch zwischen Dienststellen intensiviert werden.

Roth betont: „Solange diese Delikte als Kleinkriminalität abgetan werden, lässt sich die organisierte Struktur dahinter nicht bekämpfen.“ Die Branche fordert außerdem mehr Kontrollen, stärkere Prävention und möglicherweise eigene Kennzeichnungssysteme für legale Entsorger.

Ein unterschätztes Verbrechen mit Zukunftspotenzial

Was harmlos klingt – der Diebstahl von frittiertem Fett – ist tatsächlich ein wachsendes Geschäftsfeld für Kriminelle. Die Entsorgungswirtschaft sieht dringenden Handlungsbedarf, bevor sich die Strukturen weiter verfestigen und der illegale Markt noch größer wird.

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