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Kamerun nach der Wahl: Oppositionskandidat erklärt sich zum Sieger – Spannungen drohen

jorono (CC0), Pixabay
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In Kamerun spitzt sich die politische Lage nach der Präsidentschaftswahl dramatisch zu. Der Oppositionskandidat Issa Tchiroma Bakary hat sich am Montag selbst zum Sieger erklärt – und damit den greisen Staatschef Paul Biya herausgefordert, der das Land seit mehr als vier Jahrzehnten autoritär regiert.

In einer Videoansprache, die er über Facebook verbreitete, erklärte der 79-Jährige: „Unser Sieg ist klar und unbestreitbar. Das kamerunische Volk hat gesprochen, und seine Stimme darf nicht ignoriert werden.“ Tchiroma warnte die Regierung, sie dürfe „den Willen des Volkes nicht verraten“, andernfalls drohe Kamerun „in Aufruhr zu versinken“.

Die offiziellen Wahlergebnisse sollen erst in rund zwei Wochen durch den Verfassungsrat bekanntgegeben werden. In Kamerun ist es gesetzlich verboten, Teilergebnisse oder eigene Auszählungen vor der offiziellen Veröffentlichung zu präsentieren. Beobachter sehen in Tchiromas Schritt dennoch ein Signal wachsender Verzweiflung in der Opposition, die den Wahlprozess seit Jahren als manipuliert und undurchsichtig kritisiert.

Präsident Paul Biya, der seit 1982 an der Macht ist, trat trotz seines hohen Alters und wachsender Proteste erneut an. Offiziellen Umfragen zufolge galt er als Favorit, doch die Zustimmung unter der Bevölkerung bröckelt spürbar. Viele Kameruner werfen ihm vor, ein Land regiert zu haben, das zwar reich an Bodenschätzen ist, aber an Korruption, wirtschaftlicher Stagnation und sozialer Ungleichheit leidet.

Tchiroma, ein ehemaliger Arbeitsminister und langjähriger Oppositionspolitiker, konnte in mehreren Regionen deutliche Unterstützung mobilisieren – vor allem unter jungen Wählerinnen und Wählern, die genug von der jahrzehntelangen Herrschaft Biyas haben. Dennoch bezweifeln Analysten, dass er über die Strukturen verfügt, um die Machtfrage tatsächlich zu entscheiden.

In der Bevölkerung wächst die Sorge, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Bereits bei der Wahl 2018 erklärte sich der damalige Oppositionskandidat Maurice Kamto zum Sieger, bevor er verhaftet wurde. Sicherheitskräfte gingen damals mit massiver Gewalt gegen Demonstrierende vor, dutzende Menschen wurden festgenommen.

Internationale Beobachter, darunter Vertreter der Afrikanischen Union und der Europäischen Union, mahnten nun zur Zurückhaltung und forderten eine friedliche Klärung des Wahlergebnisses. Auch die Vereinten Nationen appellierten an die politischen Akteure, auf Eskalation zu verzichten.

Kamerun steht unterdessen vor enormen Herausforderungen: Im Westen des Landes schwelt weiterhin der Konflikt zwischen Regierungstruppen und separatistischen Gruppen in den englischsprachigen Regionen. Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme, steigende Lebenshaltungskosten und eine wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

Beobachter warnen, dass ein erneuter politischer Konflikt das Land destabilisieren und sogar in eine neue Welle der Gewalt führen könnte.
Ob Tchiromas Siegeserklärung eine politische Wende oder nur ein kurzes Aufbäumen gegen ein fest verankertes Machtgefüge bedeutet, bleibt vorerst offen – doch sicher ist: Kamerun steht vor einem entscheidenden Moment seiner jüngeren Geschichte.

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