Die frühere US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat in einem BBC-Interview offen angedeutet, dass sie bei der Präsidentschaftswahl 2028 erneut kandidieren könnte. „Möglicherweise“, antwortete sie auf die Frage, ob sie eines Tages Präsidentin der Vereinigten Staaten sein werde – und fügte hinzu: „Ich bin noch nicht fertig.“
Blick nach vorn – trotz Niederlage gegen Trump
Harris verlor bei der Wahl 2024 deutlich gegen Donald Trump, nachdem sie nur 107 Tage Zeit hatte, um nach dem Rückzug von Präsident Joe Biden ihre Kampagne aufzubauen. In der BBC-Sendung Sunday with Laura Kuenssberg erklärte sie nun, sie sehe ihre politische Laufbahn noch lange nicht als beendet:
„Ich habe mein ganzes Leben dem öffentlichen Dienst gewidmet – das steckt in meinen Knochen.“
Sie zeigte sich überzeugt, dass in absehbarer Zeit eine Frau das Präsidentenamt übernehmen werde – „in der Lebenszeit meiner Großnichten, ganz sicher“.
Kritik an Trump: „Ein Tyrann mit dünner Haut“
Im Gespräch übte Harris scharfe Kritik an Trump, den sie einen „Tyrannen“ nannte. Ihre Warnungen aus dem Wahlkampf – dass Trump das Justizministerium politisch instrumentalisieren werde – seien inzwischen Realität geworden:
„Er hat genau das getan, was er angekündigt hat – er hat Bundesbehörden gegen Kritiker eingesetzt.“
Als Beispiel nannte sie die Suspendierung des TV-Moderators Jimmy Kimmel, nachdem dieser in einer Late-Night-Show über den Tod des rechtsgerichteten Influencers Charlie Kirk gescherzt hatte. Laut Harris habe die von Trump eingesetzte Medienaufsicht Druck auf Kimmels Sender ausgeübt.
Auch Unternehmen und Institutionen hätten sich „zu schnell vor der Macht verbeugt“, um wirtschaftliche Vorteile zu sichern:
„Viele knien vor einem Tyrannen, um eine Fusion genehmigt zu bekommen oder einer Untersuchung zu entgehen.“
Selbstkritik und politische Zukunft
Rückblickend räumte Harris ein, dass ihre Kampagne 2024 „zu spät“ begonnen habe, um zentrale Themen wie Wirtschaft, Wohnraum oder Kinderbetreuung ausreichend zu vermitteln. Dennoch sieht sie die Niederlage nicht als politisches Ende, sondern als Zwischenetappe:
„Wenn ich damals auf Umfragen gehört hätte, hätte ich nie ein Amt gewonnen – und ich säße heute nicht hier.“
Ihre neu erschienene Wahlkampf-Bilanz trägt den Titel „107 Days“ – eine Anspielung auf die kurze Zeit, die ihr für die Vorbereitung blieb, nachdem Biden wegen gesundheitlicher Bedenken ausgestiegen war.
Demokratische Partei auf der Suche
Ein Jahr nach Trumps Wahlsieg steckt die Demokratische Partei in einer Phase intensiver Selbstreflexion. Viele geben Biden die Schuld, nicht rechtzeitig Platz gemacht zu haben. Andere zweifeln, ob Harris die nötige Strahlkraft und Verbindung zur Mittelschicht herstellen konnte.
Die ehemalige Staatsanwältin aus Kalifornien hingegen gibt sich kämpferisch. Während sie derzeit auf Buchpräsentationstour durch Europa reist, bleibt offen, ob dies bereits der Auftakt einer neuen Kampagne ist.
„Vielleicht“, sagte Harris mit einem Lächeln, „ist das alles erst der Anfang.“
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