Burger gibt es wieder, das Museum öffnet, in Schwerte wartet ein 40.000-Quadratmeter-Projekt – nur ausgerechnet der Mann, um den dieses ganze Universum gebaut wurde, zieht sich zurück. Kann JP Performance eigentlich ohne JP funktionieren?
Es gibt Unternehmen, bei denen der Chef austauschbar ist.
Wenn morgen der Vorstandsvorsitzende eines großen Autokonzerns seinen Schreibtisch räumt, werden am nächsten Morgen trotzdem Autos gebaut. Die Kantine öffnet um sieben, die Produktionsstraße läuft um sechs, und spätestens nach drei Wochen kennt man auch den Namen des Nachfolgers.
Und dann gibt es JP Performance.
Da steckt das Problem bereits im Namen.
JP.
Jean Pierre Kraemer hat nicht einfach ein Unternehmen aufgebaut. Er hat über Jahre ein eigenes Universum erschaffen, dessen Sonne er selbst war.
Autos, YouTube, Tuning, Kleidung, Felgen, Autopflege, Burger, Kaffee, Museum, Merchandising – wirtschaftlich haben diese Dinge teilweise erstaunlich wenig miteinander zu tun.
Was sie miteinander verbindet?
JP Kraemer.
Und genau deshalb ist die aktuelle Situation wirtschaftlich so spannend.
Denn nach den von Kraemer selbst eingeräumten gewalttätigen Übergriffen gegenüber seiner Noch-Ehefrau Julia Meck kündigte er zunächst eine Auszeit und eine Therapie an. Später erklärte er, seine Unternehmen schließen und keine weiteren Videos produzieren zu wollen. Zu den Vorgängen laufen Ermittlungen; soweit keine gerichtlichen Feststellungen vorliegen, gilt die Unschuldsvermutung. Kraemer selbst hat Teile seines Verhaltens öffentlich eingeräumt und als falsch beziehungsweise nicht zu entschuldigen bezeichnet.
Das Problem:
Ein Imperium dieser Größenordnung hat keinen Lichtschalter.
Man kann nicht einfach sagen:
JP aus. Unternehmen aus.
Rund 100 Millionen Euro Umsatz – und alles hängt an zwei Buchstaben
Wie groß das System inzwischen geworden ist, zeigt eine Zahl, die man bei einem ehemaligen Fernseh-Tuner vielleicht nicht unbedingt erwarten würde.
Kraemer selbst hat für sein Firmengeflecht eine Größenordnung von rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz genannt. Der WDR spricht unter Berufung auf Kraemers Angaben von 18 Firmen und rund 80 Beschäftigten.
WELT beschreibt mindestens 14 Gesellschaften und zeichnet das Geschäftsmodell ziemlich treffend nach:
Autos produzieren Content.
Content produziert Reichweite.
Reichweite produziert Kunden.
Und Kunden kaufen anschließend eben nicht nur Auspuffanlagen.
Sie kaufen Hoodies.
Felgen.
Autopflege.
Burger.
Museumsbesuche.
Modellautos.
Oder fahren einfach nach Dortmund, weil dort das echte JP-Universum steht.
Kraemer berichtete 2025 sogar von durchschnittlich etwa 15.000 Gästen pro Woche in seinem Burgerrestaurant und 5.000 bis 6.000 Besuchern pro Woche im Automuseum.
Das ist längst keine kleine Tuningbude mehr.
Das ist eine Erlebnis- und Handelsmarke.
Nur besitzt sie eine Besonderheit:
Das wichtigste Produkt steht nicht im Regal.
Das wichtigste Produkt heißt Jean Pierre Kraemer.
Und plötzlich fehlt ausgerechnet der Markenmotor
Damit sind wir beim eigentlichen Problem.
Eine normale Marke kann sich von ihrem Gründer emanzipieren.
Apple existiert ohne Steve Jobs.
Mercedes existiert schon ziemlich lange ohne Carl Benz.
McDonald’s verkauft auch dann Hamburger, wenn gerade niemand weiß, wer Vorstandschef ist.
Bei JP Performance ist die Trennung schwieriger.
Denn Kraemer war nicht nur Eigentümer, Unternehmer oder Geschäftsführer.
Er war Entertainer.
Testfahrer.
Verkäufer.
Werbefigur.
Erklärer.
Identifikationsfigur.
Und vor allem:
Reichweitenmaschine.
Sein YouTube-Kanal kommt auf rund 2,7 Millionen Abonnenten, Instagram auf etwa 1,4 Millionen Follower.
Diese Reichweite ist wirtschaftlich Gold wert – solange die Person hinter dieser Reichweite positiv auf die Produkte abstrahlt.
Genau dieses Prinzip steht jetzt unter Belastung.
Denn Reichweite allein kauft keinen Hoodie
Man kann natürlich argumentieren:
2,7 Millionen YouTube-Abonnenten verschwinden nicht über Nacht.
Richtig.
Aber ein Abonnent ist noch kein Kunde.
Und ein Klick ist noch kein Euro Umsatz.
Das Geschäftsmodell einer Personenmarke lebt von einer unsichtbaren Währung:
Sympathie.
Menschen kauften einen JP-Hoodie eben nicht nur, weil Baumwolle darin verarbeitet wurde.
Sie kauften ein Stück Zugehörigkeit.
Sie fuhren nicht ausschließlich ins PACE, weil dort interessante Autos stehen.
Sie fuhren in JPs Museum.
Sie aßen nicht irgendeinen Burger.
Sie gingen zu JP.
Genau das machte das System so stark.
Und genau das macht es jetzt verwundbar.
Erste Partner haben Konsequenzen gezogen
Die Krise blieb deshalb nicht auf Social Media beschränkt.
Der WDR berichtet, dass die Getränkemarke Gönrgy die Zusammenarbeit mit Kraemer beendet hat. Auch Borussia Dortmund beendete die Kooperation; die gemeinsame BVB-JP-Modekollektion gehört nicht mehr zum Sortiment.
Das ist wirtschaftlich bedeutsamer als ein paar verlorene Instagram-Follower.
Denn große Unternehmen beurteilen Kooperationen nicht danach, ob ein Influencer noch Fans besitzt.
Sie fragen:
Passt diese Person noch zu unserer Marke?
Genau hier zeigt sich die Achillesferse des Influencer-Geschäftsmodells.
Wer seine Persönlichkeit zur Marke macht, kann außergewöhnlich schnell wachsen.
Aber er kann Privates und Geschäftliches irgendwann kaum noch voneinander trennen.
Der Mensch ist die Marke.
Und damit wird jede schwere persönliche Krise automatisch zur Markenkrise.
Trotzdem: Tot ist JP Performance offensichtlich noch lange nicht
Und nun wird die Geschichte richtig interessant.
Denn zunächst sah alles nach Vollbremsung aus.
Standorte wurden geschlossen, Scheiben abgeklebt, Waren eingelagert. Mitarbeiter berichteten von einer ungewissen Zukunft. Kraemer selbst erklärte, seine Unternehmen nicht weiterführen zu wollen.
Dann kam die Kehrtwende.
Das Management und die Mitarbeiter teilten mit, mehrere Betriebe weiterführen zu wollen.
Big Boost Burger öffnet wieder.
Carffee öffnet wieder.
PACE öffnet wieder.
Auch Time Attack soll den Betrieb fortsetzen.
Nach Darstellung des Unternehmens wurde diese Entscheidung von Mitarbeitern und Management nach Abstimmung mit Kraemer getroffen. Als Begründung wurden die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Familien, Zulieferern, Dienstleistern und Geschäftspartnern genannt. Kraemer selbst soll seine Auszeit fortsetzen und eine Therapie beginnen.
Das ist nachvollziehbar.
Denn hinter einer Marke stehen eben nicht nur Likes.
Da stehen rund 80 Menschen, deren Miete nicht mit Instagram-Herzen bezahlt wird.
Und dann steht da noch Schwerte
Als wäre die Situation nicht kompliziert genug, kommt jetzt das vielleicht spannendste Kapitel.
Schwerte.
Dort wartet ein Gelände von ungefähr 40.000 Quadratmetern.
Ein Projekt im Wert von rund zwölf Millionen Euro.
Gedacht als neue große Heimat des JP-Universums.
Werkstätten.
Büros.
Produktion.
Museum.
Gastronomie.
Eine Art „JP World“.
Und während Kraemer öffentlich seinen Rückzug angekündigt hat, passiert auf diesem Gelände keineswegs nichts.
Nach aktuellen Berichten waren Mitarbeiter dort unterwegs, kontrollierten Gebäude, Straßen und Parkflächen und dokumentierten den Zustand des Areals. BILD berichtete für den 15. September von der bevorstehenden formellen Schlüsselübergabe. Business Insider griff die Vorgänge am 16. September auf.
Mit anderen Worten:
Der Chef zieht sich zurück – aber sein größtes Projekt rollt offenbar weiter.
Das hat fast etwas Symbolisches.
Zwölf Millionen Euro lassen sich schlecht in den Keller stellen
Natürlich weiß derzeit niemand öffentlich belastbar, was aus „JP World“ tatsächlich wird.
Vielleicht wird das ursprüngliche Konzept umgesetzt.
Vielleicht wird es verändert.
Vielleicht übernimmt das Management dauerhaft mehr Verantwortung.
Vielleicht wird die Fläche anders genutzt.
Und vielleicht kehrt Kraemer irgendwann zurück.
Das alles ist derzeit offen.
Aber ein Projekt dieser Größenordnung unterscheidet sich fundamental von einem YouTube-Kanal.
Ein Video kann man nicht hochladen.
Einen Shop kann man vorübergehend schließen.
Aber bei einem 40.000 Quadratmeter großen Areal mit Millioneninvestitionen, Verträgen, Mitarbeitern, Lieferanten und Planungen lässt sich nicht einfach sagen:
„So Leute, war’s das.“
Immobilien haben die unangenehme Eigenschaft, auch dann weiter zu existieren, wenn der Unternehmer gerade eine persönliche Krise durchlebt.
Vielleicht beginnt jetzt das größte Experiment der Firmengeschichte
Und deshalb könnte die eigentliche Geschichte erst jetzt beginnen.
JP Performance muss möglicherweise zum ersten Mal beweisen, dass JP Performance auch ohne permanente Anwesenheit von JP funktioniert.
Das wäre eine fundamentale Veränderung.
Bislang war das Geschäftsmodell ungefähr:
JP macht etwas Interessantes → Millionen Menschen schauen zu → ein Teil dieser Menschen kauft etwas.
Künftig müsste es vielleicht heißen:
Das Unternehmen macht etwas Interessantes → Menschen kommen trotzdem.
Klingt ähnlich.
Ist wirtschaftlich aber ein gewaltiger Unterschied.
Denn plötzlich muss ein Burgerladen wegen seiner Burger funktionieren.
Ein Museum wegen seiner Ausstellung.
Eine Kleidungsmarke wegen ihrer Produkte.
Eine Felgenmarke wegen ihrer Felgen.
Und eine Erlebniswelt in Schwerte müsste Besucher anziehen, auch wenn nicht garantiert ist, dass der Mann mit der Kappe gerade irgendwo über den Hof läuft.
Genau darin liegt aber auch eine Chance
So paradox es klingt:
Die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte könnte JP Performance zu etwas zwingen, was bei jeder großen Personenmarke irgendwann notwendig wird.
Die Marke muss lernen, ohne ihre Person zu funktionieren.
Das ist unbequem.
Aber nicht unmöglich.
PACE ist ein reales Museum.
Big Boost Burger ist ein reales Restaurant.
Die Unternehmen besitzen Mitarbeiter, Infrastruktur, Produkte, Lieferketten und eine enorme Bekanntheit.
Und eine Community verschwindet nicht automatisch vollständig, nur weil ihre zentrale Figur massiv an Ansehen verliert.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob JP Performance morgen noch existiert.
Offensichtlich tut es das.
Die Frage lautet:
Warum kommen die Menschen übermorgen noch?
Wegen JP?
Oder weil aus seinem Universum inzwischen tatsächlich eigenständige Unternehmen geworden sind?
Robin Hornigs Skepsis trifft genau diesen Punkt
AUTO-BILD-Chefredakteur Robin Hornig hat Kraemers Verhalten nach dessen öffentlichen Eingeständnissen deutlich kritisiert. Sein zentraler Punkt: Das Eingeständnis eigener Gewalt werde nicht dadurch relativiert, dass anschließend Erklärungen für die Eskalation geliefert würden. Über strafrechtliche Schuld hätten Gerichte zu entscheiden.
AUTO BILD stellte anschließend auch die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens infrage und verwies darauf, dass an dem Firmengeflecht rund 80 Arbeitsplätze hängen.
Diese Skepsis lässt sich wirtschaftlich nachvollziehen.
Denn die Geschichte von JP Performance war immer auch die Geschichte einer außergewöhnlich erfolgreichen Personenmarke.
Und Personenmarken besitzen einen Konstruktionsfehler:
Man kann den Gründer nicht einfach austauschen.
Wenn ein Geschäftsführer eines Konzerns ausfällt, kommt ein anderer Geschäftsführer.
Wenn JP bei JP Performance ausfällt, kann man schlecht am Montagmorgen verkünden:
„Guten Morgen, das hier ist übrigens der neue JP.“
Aber vielleicht muss es gar keinen neuen JP geben
Genau darin könnte der Ausweg liegen.
JP Performance müsste nicht versuchen, Kraemer zu ersetzen.
Das wäre vermutlich ohnehin aussichtslos.
Stattdessen müsste aus einem personengetriebenen Imperium ein normales Unternehmen werden.
Mit Management.
Verantwortlichkeiten.
Eigenständigen Marken.
Produkten, die für sich selbst stehen.
Und einer Kommunikation, die nicht davon abhängt, dass ein einzelner Mann mehrmals pro Woche Millionen Menschen unterhält.
Ob das funktioniert?
Keine Ahnung.
Aber wirtschaftlich dürfte genau das eine der interessantesten Fragen der kommenden Monate sein.
Das Imperium lebt – aber sein Motor fehlt
Wer vor zwei Wochen glaubte, JP Performance werde einfach komplett verschwinden, dürfte inzwischen überrascht sein.
Die Shops laufen.
Mehrere Standorte öffnen wieder.
Mitarbeiter führen Betriebe weiter.
Und in Schwerte bewegt sich etwas auf einem 40.000 Quadratmeter großen Gelände für ein Projekt im Millionenbereich.
Von einem endgültigen Ende kann deshalb derzeit keine Rede sein.
Von einer Rückkehr zur Normalität allerdings genauso wenig.
Denn über allem schwebt eine Frage, die kein Businessplan beantworten kann:
Kann eine Marke, die jahrelang von der Persönlichkeit eines einzigen Menschen gelebt hat, diesen Menschen plötzlich aus dem Mittelpunkt nehmen und trotzdem dieselbe Anziehungskraft behalten?
JP Kraemer hat etwas aufgebaut, wovon viele Influencer träumen:
Aus Reichweite wurde ein Unternehmen.
Aus dem Unternehmen wurden zahlreiche Firmen.
Aus Firmen wurde ein kleines Wirtschaftsimperium.
Und aus dem Tuner wurde selbst eine Marke.
Jetzt kommt die Prüfung, die in keinem Businessplan stand:
Was bleibt von der Marke JP, wenn JP selbst nicht mehr ihr wichtigster Verkäufer sein kann?
40.000 Quadratmeter in Schwerte kann man kaufen.
Ein Museum kann man öffnen.
Burger kann man wieder braten.
Hoodies kann man verschicken.
Autos kann man bauen.
Nur eines lässt sich nicht einfach neu bestellen:
das Vertrauen, auf dem eine Personenmarke am Ende basiert.
Und deshalb dürfte das schwierigste Tuning-Projekt in der Geschichte von JP Performance diesmal kein Porsche und kein Lamborghini sein.
Sondern JP Performance selbst.
Mein Chatgpt schreibt auch immer die Artikel in so Stichpunkten. Gut gemacht.