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Journalismus gegen die neuen digitalen Feudalherren

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Willkommen im 21. Jahrhundert – oder besser gesagt: im neuen Mittelalter. Damals herrschten Burgherren mit Schwert und Peitsche, heute heißen sie Zuckerberg, Bezos oder Musk und kontrollieren die digitale Welt mit Algorithmen, Abo-Fallen und Datenstaubsaugern. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler mit Sinn für klare Worte, nennt das passend „digitalen Feudalismus“. Und recht hat er: Wir haben zwar alle eine Stimme im Netz bekommen, aber die drei bis fünf „Ober-Barone des Klickadels“ entscheiden, wer gehört wird – und wer im algorithmischen Kerker verschwindet.

Die Kassen klingeln – nur nicht bei den Medien

Österreichische Verlage dürfen zusehen, wie jedes Jahr Milliarden an Werbegeldern brav Richtung Silicon Valley fließen. 2,6 Milliarden Euro wanderten 2024 zu den US-Giganten, während die heimische Branche sich mit 2,1 Milliarden abspeisen ließ. So sieht digitale Umverteilung im Jahr 2025 aus: Wir zahlen, Big Tech kassiert. Der Feudalherr nennt es „Innovation“, das Fußvolk „Existenzangst“.

Strategietreffen im Kleinadel

Damit nicht alle heimischen Medienhäuser in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, treffen sie sich bei den Österreichischen Medientagen – quasi ein Ritterturnier der gebeutelten Branche. Dort beschwört man „Kooperation“ und „Qualitätsjournalismus“ – Begriffe, die fast schon so altmodisch wirken wie Füllfeder und Bleisatz. ORF-Chef Roland Weißmann will den Öffentlich-Rechtlichen als „Motor der Kooperation“ positionieren. Klingt irgendwie nach Dieselmotor: zuverlässig, aber nicht gerade sexy.

Kampf um Vertrauen

Die gute Nachricht: Laut „Digital News Report“ vertrauen immerhin noch 40 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher klassischen Nachrichten. Fast 50 Prozent sehen Influencer als Gefahr – was wohl daran liegt, dass ein TikTok-Tanzvideo weniger glaubwürdig wirkt, wenn man gerade versucht herauszufinden, ob die Welt untergeht. Das ist die Chance der Medien: langsamer, gründlicher, weniger „LOL“, dafür mit Fakten.

Was jetzt?

Die Forderung der Branche ist klar: Wir wollen Regeln, damit nicht anonyme Algorithmen entscheiden, welche Inhalte die Leute sehen. Klingt ein bisschen so, als würde man im Jahr 2025 darum bitten, die Druckerpresse wieder einzuschalten, damit der Dorfbote seine Nachrichten verteilen kann. Aber vielleicht hat Pörksen recht: Journalismus muss endlich transparenter, dialogischer und solidarischer werden.

Denn eines ist klar: Gegen die neuen digitalen Feudalherren hilft kein Schwert und kein Kreuzzug. Sondern nur Leserinnen und Leser, die wissen, dass Journalismus mehr ist als ein Klick auf „Gefällt mir“.

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