Die frühere „Good Morning America“-Moderatorin Joan Lunden spricht in ihren neuen Memoiren offen über sexuelle Belästigung zu Beginn ihrer Karriere im Fernsehjournalismus. In ihrem Buch „Joan: Life Beyond the Script“ beschreibt die heute renommierte TV-Journalistin eine belastende Erfahrung mit einem damaligen Vorgesetzten.
Lunden arbeitete von 1975 bis 1980 als Reporterin und später als Moderatorin beim New Yorker Fernsehsender WABC, bevor sie Co-Moderatorin der ABC-Morgensendung „Good Morning America“ wurde, die sie von 1980 bis 1997 moderierte.
Treffen auf Fire Island nahm unerwartete Wendung
In ihren Memoiren schildert Lunden, dass ihr damaliger Story-Editor – den sie unter dem Pseudonym „Ted“ nennt – sie zu einem angeblichen Arbeitstreffen auf Fire Island eingeladen habe. Er habe die Reise zunächst als Gelegenheit beschrieben, sich mit dem Team besser zu vernetzen.
Die damals 25-jährige Journalistin habe zunächst gezögert, sich schließlich aber überreden lassen. Vor Ort habe sie jedoch festgestellt, dass nur zwei weitere Personen anwesend waren – ein Reporter eines anderen Senders und dessen Freundin. Dadurch habe die Situation eher wie ein unangenehmes Doppeldate gewirkt als wie ein berufliches Treffen.
Lunden schrieb, sie habe sich beschämt gefühlt, in diese Situation geraten zu sein, und sei zugleich empört gewesen, dass ihr Vorgesetzter glaubte, sie würde sich darauf einlassen.
Ablehnung führte zu beruflichen Konsequenzen
Lunden machte laut eigener Aussage deutlich, dass sie kein persönliches Verhältnis mit ihrem Chef wolle. Dennoch habe dieser versucht, die Situation herunterzuspielen.
Während des Aufenthalts habe sie schließlich auf dem Sofa schlafen müssen, nachdem ihr Vorgesetzter sie unter Druck gesetzt habe, das Schlafzimmer mit ihm zu teilen.
Nach der Reise habe sich sein Verhalten im Job deutlich verändert. Laut Lunden begann er, ihre Beiträge zu blockieren, sodass ihre Geschichten nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt wurden.
Das habe nicht nur ihre berufliche Reputation beeinträchtigt, sondern auch ihr Einkommen, da Reporter neben einem Grundgehalt zusätzliche Vergütungen für ausgestrahlte Beiträge erhielten.
Drohung mit rechtlichen Schritten
Lunden beschreibt das Verhalten ihres Vorgesetzten als sexuelle Belästigung und Diskriminierung. Nachdem die Situation mehrere Monate angedauert hatte, wandte sie sich an ihren Agenten und einen Anwalt. Diese erklärten ihr, sie könne rechtlich gegen ihren Chef vorgehen.
Daraufhin suchte Lunden das Gespräch mit ihm und machte deutlich, dass sie eine Klage wegen sexueller Belästigung in Erwägung ziehe. Laut ihren Erinnerungen zeigte die Drohung Wirkung und führte schließlich zu einer Entschuldigung.
„Manchmal muss man einfach den Mut aufbringen, für sich selbst einzustehen – auch wenn es sich unangenehm und beängstigend anfühlt“, schreibt Lunden in ihrem Buch.
Eine Stellungnahme von Vertretern des Senders WABC lag zunächst nicht vor.
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