Wenn Jazz verstummt – wegen Politik
Es hätte ein festlicher Abend werden sollen. Seit 2006 begeistert der renommierte Vibraphonist Chuck Redd das Publikum mit seiner traditionellen Christmas Eve Jazz Show im ehrwürdigen Kennedy Center. Doch dieses Jahr: Stille. Kein Swing. Kein Saxofon. Nur Kopfschütteln.
Der Grund? Das Kennedy Center heißt plötzlich auch Trump Center. Nein, wirklich.
Der neue Name: „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“
Man kann sich die Reaktion der amerikanischen Kulturszene vorstellen, als letzte Woche still und heimlich ein neuer Schriftzug am Gebäude angebracht wurde – Trump in Gold, Kennedy in Marmor, wie Insider berichten.
Die Entscheidung traf das vom ehemaligen Präsidenten Donald Trump persönlich besetzte Board, das ihn zuvor zum Vorsitzenden des Zentrums gewählt hatte. Klingt wie ein Drehbuch aus einer politischen Netflix-Serie? Ist aber real.
Chuck Redd: „Ich spiele nicht unter dieser Überschrift.“
Der Musiker Chuck Redd zog die Reißleine. Noch bevor er das Vibraphon auspacken konnte, sagte er:
„Als ich sah, dass das Center umbenannt wurde, war für mich klar: Ich kann unter diesem Namen keine Musik machen.“
Eine Entscheidung mit Gewicht – Redd steht nicht nur für exzellenten Jazz, sondern auch für Prinzipien. Und die vermisste er in dieser Entscheidung des Boards.
Ist das überhaupt legal?
Nicht nur Musiker sind entsetzt – auch die Politik läuft Sturm. Denn: Laut dem Gründungsgesetz des Kennedy Centers hat das Board überhaupt kein Recht, den Namen zu ändern.
Rep. Joyce Beatty (D-Ohio), Mitglied im Board und nicht eingeladen zur ominösen Abstimmung, hat nun Klage eingereicht. Ihr Vorwurf: „Ein flagrantes Gesetzesvergehen“.
Das Department of Justice prüft derzeit, ob Trump sich damit wieder einmal über geltendes Recht hinwegsetzt, diesmal nicht mit einem Tweet, sondern mit einer Messingtafel.
Was würde JFK dazu sagen?
Wahrscheinlich etwas wie:
„Frage nicht, was dein Kulturzentrum für dich tun kann, sondern warum es plötzlich jemand anderem gehört.“
Natürlich dreht sich der verstorbene Präsident vermutlich mehrfach im Grab – das übrigens (noch) nicht umbenannt wurde.
Standing Ovations für die Ironie
Ob der neue Name dauerhaft bleibt, ist offen. Aber eins ist klar: Noch nie war ein politischer Namensstreich so jazzfrei, so absurd und so amerikanisch.
Bis dahin bleibt nur zu hoffen, dass nächstes Jahr wieder mehr Sax statt Egos regiert – und das Kennedy Center wieder für Kunst steht, nicht für Karikatur
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