Die weltbekannte Primatenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Das teilte das von ihr gegründete Jane Goodall Institute am Dienstag mit. Demnach erlag sie während einer Vortragsreise in Kalifornien natürlichen Ursachen.
„Dr. Goodalls Entdeckungen als Ethologin haben die Wissenschaft revolutioniert, und sie war eine unermüdliche Fürsprecherin für den Schutz und die Wiederherstellung unserer natürlichen Welt“, erklärte das Institut in einem Nachruf.
Eine Wissenschaftlerin ohne klassischen Weg
Goodall, 1934 in London geboren, faszinierte schon als Kind die Tierwelt. 1957 reiste sie nach Kenia, wo sie den Paläoanthropologen Louis Leakey kennenlernte. Er ermöglichte ihr 1960 die Feldforschung an Schimpansen am Tanganjikasee im heutigen Tansania – damals ohne akademische Ausbildung.
Ihre bahnbrechende Beobachtung: Schimpansen benutzen Werkzeuge. Damit widerlegte sie die bis dahin vorherrschende Annahme, Werkzeuggebrauch sei allein dem Menschen vorbehalten. Ein Dokumentarfilm der National Geographic Society machte sie 1965 weltbekannt.
Vom Forschungscamp zur globalen Stimme
Insgesamt verbrachte Goodall mehr als 55 Jahre mit Feldstudien in Afrika, gründete 1977 ihr Institut und weitete ihren Einsatz auf den internationalen Naturschutz aus. Ihr Jugendprogramm „Roots & Shoots“ inspiriert seit 1991 junge Menschen weltweit, sich für Umwelt und Tiere zu engagieren.
Sie veröffentlichte über 30 Bücher, wirkte in zahlreichen Dokumentationen mit und wurde zu einer Schlüsselfigur im weltweiten Kampf für Artenschutz. „Jeden Tag, den wir leben, hinterlassen wir eine Spur. Die Frage ist: Welche Spur wollen wir hinterlassen?“, sagte sie in einem Interview 2023.
Ehrungen und Vermächtnis
Goodall wurde vielfach ausgezeichnet: 2003 zur Dame of the British Empire ernannt, 2021 mit dem Templeton-Preis geehrt und erst dieses Jahr mit der Presidential Medal of Freedom der USA ausgezeichnet. Die Vereinten Nationen würdigten sie in einer Erklärung als „unermüdliche Kämpferin für unseren Planeten und all seine Bewohner“.
Ihre Kolleginnen Dian Fossey und Biruté Mary Galdikas bezeichneten sie als Mentorin und Wegbereiterin einer ganzen Generation von Frauen in der Primatenforschung. Galdikas sagte: „Sie war eine Inspiration für Millionen – und ihr Vermächtnis wird ewig weiterleben.“
Mit Jane Goodall verliert die Welt nicht nur eine bahnbrechende Forscherin, sondern auch eine der eindringlichsten Stimmen für den Schutz des Planeten.
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