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Israel kündigt „taktische Pause“ im Gazakrieg an – Hilfsorganisationen sprechen von Symbolpolitik

jorono (CC0), Pixabay
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Angesichts des eskalierenden Hungers in Gaza hat das israelische Militär am Sonntag eine sogenannte „taktische Pause“ in drei Regionen des abgeriegelten Küstenstreifens angekündigt. Die Maßnahme soll es ermöglichen, humanitäre Hilfe über festgelegte Korridore in die betroffenen Gebiete zu bringen. Zahlreiche Hilfsorganisationen und internationale Stimmen begrüßten den Schritt vorsichtig – mahnten aber zugleich, dass dies bei Weitem nicht ausreiche, um die katastrophale Lage zu lindern.

Mindestens 133 Tote durch Hunger – darunter fast 90 Kinder

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sind seit Oktober 2023 mindestens 133 Menschen, darunter 87 Kinder, an den Folgen von Hunger und Mangelernährung gestorben. Allein in den letzten 24 Stunden seien sechs weitere Todesfälle gemeldet worden. Besonders erschütternd: Die zehnjährige Noor Ashraf Abu Selaa, die bis kurz vor ihrem Tod noch von Suppenküchen versorgt wurde, starb abgemagert und ohne medizinische Hilfe in einem überlasteten Krankenhaus.

Hilfslieferungen nur eingeschränkt möglich – Kritik an Airdrops

Israel hat am Wochenende auch wieder damit begonnen, Hilfsgüter aus der Luft über Gaza abzuwerfen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien beteiligten sich mit mehreren Airdrops. Insgesamt wurden laut Angaben der jordanischen Armee 25 Tonnen Lebensmittel und Hilfsgüter abgeworfen.

Internationale Hilfsorganisationen kritisieren diese Form der Hilfe jedoch als ineffizient, gefährlich und teuer. Die UN-Hilfsorganisation für Palästinenser (UNRWA) sprach gar von einer „Ablenkung“ und einem symbolischen Akt, der kaum zur Rettung hungernder Menschen beitrage.

UN: Versorgung nur mit geöffneten Grenzübergängen möglich

„Wir können Wunder nicht über Nacht bewirken“, sagte Joe English, Sprecher des Kinderhilfswerks UNICEF. Zwar begrüße man jede Form der Hilfe, doch sei der Aufbau eines funktionierenden Versorgungssystems nur mit offenen Grenzübergängen möglich. „Wir brauchen einen dauerhaften Waffenstillstand, nicht punktuelle Pausen“, so English weiter.

Europäische Politiker fordern sofortige Feuerpause

Auch aus Europa kommt Kritik am israelischen Vorgehen. Der britische Außenminister David Lammy bezeichnete die humanitäre Pause als „längst überfällig“, betonte jedoch, dass nur der Zugang über Land dauerhaft Hilfe leisten könne. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte in einem Telefonat mit Premierminister Benjamin Netanjahu ein sofortiges Ende der Kämpfe und betonte, Deutschland werde die Lage „gemeinsam mit Frankreich, Großbritannien und arabischen Partnern“ genau beobachten.

Bilanz nach neun Monaten Krieg: extreme Not und wachsender Unmut

Seit dem Beginn des Krieges im Oktober 2023 ist die Versorgungslage im Gazastreifen kollabiert. Die Zahl der täglich einfahrenden Hilfstransporte ist drastisch gesunken, während gleichzeitig fast die gesamte Bevölkerung mehrfach vertrieben wurde. Mehr als eine halbe Million Menschen gelten laut UN als akut vom Hungertod bedroht.

Am Sonntag kam es erneut zu tödlichen Zwischenfällen an Hilfsausgabestellen. In einem Fall wurden laut Krankenhausangaben mindestens zwölf Menschen durch israelisches Feuer getötet, darunter vier Kinder. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. In Nord-Gaza berichten Kliniken von Dutzenden weiteren Opfern, die beim Versuch, an Nahrungsmittel zu gelangen, ums Leben kamen.

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