In Irland ist man schnell, wenn’s ums Gratulieren geht: Catherine Connolly, unterstützt von einem bunten Bündnis aus Linksparteien, Grünen, Sozialdemokraten und vermutlich auch ein paar besonders engagierten Schafen aus Galway, liegt bei der Auszählung der Präsidentschaftswahl mit stolzen 63,5 Prozent meilenweit vorn.
Die „Irish Times“ vermeldete das Ergebnis bereits am Nachmittag – und kurz darauf machte Heather Humphreys, ihre einzige Mitbewerberin, das, was man in Irland offenbar als sportlich-fair bezeichnet: Sie gratulierte noch vor dem offiziellen Endergebnis.
„Ich möchte Catherine gratulieren, dass sie die nächste Präsidentin Irlands wird“, sagte Humphreys.
Übersetzt heißt das wohl: „Ich habe meine Wahlplakate schon abgehängt – viel Spaß im Amt, ich geh jetzt Tee trinken.“
Drei Marys und jetzt eine Catherine
Connolly tritt in große Fußstapfen – und zwar in ziemlich elegante: Nach Mary Robinson und Mary McAleese wird sie die dritte Frau im höchsten Amt der grünen Insel. Ihr Vorgänger Michael D. Higgins, mittlerweile 84 Jahre alt, darf nun endlich seine Gedichte schreiben, ohne dabei den Segen des Kabinetts einzuholen.
Connolly selbst gilt als progressive Brückenbauerin. Ihre Unterstützer sehen in ihr eine Präsidentin, die „zusammenführt, nicht spaltet“. Ihre Kritiker sehen in ihr … nun ja, jemanden, der deutsche Verteidigungsausgaben mit der Wiederaufrüstung der 1930er Jahre vergleicht – was beim diplomatischen Corps vermutlich für spontane Schnappatmung sorgte.
Linksbündnis mit allen, die nicht Nein gesagt haben
Connollys Unterstützerliste liest sich wie das politische Äquivalent einer WG mit zu vielen Meinungen: Sinn Féin, Labour, Sozialdemokraten, People Before Profit, die Grünen – und wahrscheinlich noch jemand, der „nur kurz für die Snacks vorbeigekommen ist“.
Dennoch scheint ihr Mix aus Charme, Prinzipientreue und einem Hauch akademischem Trotz genau das zu sein, was Irland jetzt will.
Die Iren – pragmatisch, aber nicht begeistert
Ein kleines Detail trübt allerdings die Feierlaune: Offenbar haben viele Wähler aus Protest ungültige Stimmen abgegeben – vermutlich, weil es nur zwei Kandidatinnen gab.
Oder, wie ein Wahlhelfer zitiert wurde:
„Einige Leute dachten wohl, das sei ein Quiz mit Mehrfachauswahl. War’s aber nicht.“
Fazit: Tea, Taktik und Tinte
Catherine Connolly hat es geschafft – Irlands nächste Präsidentin wird eine Frau, die sich selbst als „progressiv, aber nicht belehrend“ sieht. Das Land scheint bereit für eine neue Ära – oder zumindest für neue Reden, in denen das Wort „Einigkeit“ sehr oft vorkommen wird.
Und während Heather Humphreys vermutlich bereits ihre Danksagungspostkarten schreibt, bereitet sich Connolly auf die feierliche Amtseinführung vor.
Oder, wie man in Irland sagen würde:
„May the votes be ever in your favor.“
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