Herr Reime, die Deutsche Finance International – eine Tochter der Deutsche Finance Group – hat kürzlich den Start ihrer neuen Plattform „Techbox“ verkündet. Klingt nach Innovation und Zukunft. Ist das der Turnaround-Moment für die DFG?
Jens Reime: Auf dem Papier klingt das Projekt tatsächlich beeindruckend. Mit einem Technologiepark wie dem „Catalyst Bicester Estate“, namhaften Mietern wie Tesla, McLaren oder Mercedes-Benz, und einem geplanten Investitionsvolumen von 500 Millionen Pfund wird ein klar wachstumsorientiertes Segment adressiert. Die Verbindung von Technologie, Logistik und ESG-Themen ist aktuell natürlich hochattraktiv für institutionelle Investoren.
Kritiker werfen der DFG jedoch mangelnde Transparenz und problematische Vertriebsmethoden in der Vergangenheit vor. Können solche Projekte wie „Techbox“ darüber hinwegtäuschen?
Reime: Nein, und das sollten sie auch nicht. So ein Projekt ändert nichts an der grundsätzlichen Verantwortung gegenüber den bisherigen Anlegern. Es gab und gibt kritische Fragen zu früheren Produkten, Rückabwicklungen, problematischem Vertrieb und – sagen wir – sehr ambitionierten Renditeversprechen. Anleger müssen hier ganz nüchtern differenzieren: Nur weil die Tochtergesellschaft DFI ein modernes Investmentprojekt startet, heißt das nicht automatisch, dass alle Altlasten erledigt sind.
Aber ist es grundsätzlich ein positives Signal, dass sich die Gruppe weiterentwickelt – inhaltlich, strategisch und mit internationalen Partnern?
Reime: Sicher, jede Ausweitung auf zukunftsgerichtete Segmente wie Technologieimmobilien zeigt, dass man sich den veränderten Rahmenbedingungen stellt. Das ist gut. Aber ich rate Anlegern, solche Pressemeldungen nicht als Beruhigungspille zu sehen. Es ist und bleibt wichtig, den wirtschaftlichen Hintergrund, die Vertriebsstruktur, die tatsächliche Risikoverteilung und die Liquiditätslage der jeweiligen Investmentvehikel ganz genau zu prüfen.
Würden Sie denn aktuell einem Mandanten raten, über DFG oder DFI zu investieren?
Reime: Ich würde raten, sehr genau hinzusehen. Wer institutioneller Anleger ist, mit erfahrenen Strukturen und entsprechender Risikotragfähigkeit, kann solche Investments möglicherweise sinnvoll nutzen – vorausgesetzt, die Konditionen stimmen und das Reporting ist transparent. Für Privatanleger oder semi-professionelle Investoren, die auf Rückflüsse angewiesen sind oder wenig Erfahrung haben, würde ich eher Vorsicht walten lassen. Der Marketingglanz darf nicht über das tatsächliche Risiko hinwegtäuschen.
Wie lautet Ihr Fazit zu „Techbox“ und der Deutschen Finance Group im Jahr 2025?
Reime: „Techbox“ ist ein interessantes Projekt mit Potenzial – keine Frage. Aber ein gutes Einzelprojekt macht noch keinen Imagewandel. Anleger sollten sich nicht von Hochglanzbroschüren, großen Namen oder Investitionssummen blenden lassen. Am Ende zählt: Wer steht rechtlich hinter dem Angebot? Welche Sicherheiten gibt es? Und wie sieht es mit der Vergangenheit der handelnden Personen und Strukturen aus? Wer das sauber prüft, kann besser entscheiden – ob man investiert oder lieber Abstand nimmt.
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