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Investieren in Teakholzplantagen: Renditeversprechen mit Wurzeln in unsicherem Boden

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Im Netz stößt man derzeit immer häufiger auf Werbung für sogenannte „Edelholz-Investments“ – insbesondere Teakholz steht im Fokus. Renditen von bis zu 12 % pro Jahr sollen möglich sein. Eines der aktiv werbenden Unternehmen ist die Life Forestry Switzerland AG mit Sitz in der Schweiz. Die Firma bietet Interessierten eine Investition in Teakbäume auf Plantagen in Ecuador oder Costa Rica an. Doch was hat es mit dem Versprechen natürlich wachsender Gewinne auf sich?

Das Modell: Baumkauf mit Pflegevertrag

Das Konzept ist auf den ersten Blick einfach: Anleger kaufen junge Teakbäume und schließen parallel einen Vertrag über deren Pflege und Bewirtschaftung. Verschiedene Gesellschaften übernehmen die Verwaltung, Pflege und spätere Verwertung. Der Ertrag soll nach 20 Jahren durch den Holzverkauf entstehen. Eine erste Auszahlung gibt es frühestens nach 10 Jahren.

Woher kommt die versprochene Rendite?

Die hohe prognostizierte Rendite basiert auf Annahmen über die Entwicklung des Teakholzpreises. Steigt dieser jährlich um 6 %, so das Szenario, seien zweistellige Gewinne möglich. Selbst im „Worst Case“ mit konstantem Holzpreis sollen noch über 4 % Rendite jährlich erzielt werden. Realität oder Wunschdenken? Kritiker weisen darauf hin, dass die gesamte Kalkulation auf historischen Mittelwerten basiert und keinerlei Garantien bestehen.

Teakholz: Edel, gefragt – und umstritten

Teakholz gilt als robust, langlebig und resistent gegen Schädlinge. In Asien gewachsenes Teak erreicht nach Jahrzehnten die begehrte Qualität, doch bei 20-jährigem Plantagenholz aus Lateinamerika bestehen Zweifel. Zwar wirbt Life Forestry mit FSC-Zertifizierung, doch diese wird laut Beratungsgesprächen oft erst Jahre nach Pflanzung beantragt – ein Risiko für die Qualitätsversprechen.

Nachhaltigkeit und Ethik – grünes Image, offene Fragen

Das Unternehmen betont seine ethische und ökologische Verantwortung. Doch wie steht es um Löhne der lokalen Arbeiter, reale Umweltwirkungen der Plantagen oder den ökologischen Wert von Monokulturen? Auch wenn keine Regenwaldflächen gerodet werden sollen, bleibt der Nutzen gegenüber natürlichen Wäldern umstritten.

Risiken und Unsicherheiten

Ein Blick in die AGB zeigt deutlich: Garantien gibt es nicht. Naturkatastrophen, politische Instabilität oder Marktschwankungen können zum Totalverlust führen. Zudem wird erst nach Jahren ersichtlich, ob das Modell wirtschaftlich tragfähig ist.

Auch ein Blick in die Vergangenheit ähnlicher Modelle lässt aufhorchen: Mehrere Firmen aus dem Edelholzsektor mussten Insolvenz anmelden und hinterließen zahlreiche geschädigte Anleger.

Kosten und Intransparenz

Unklar bleibt, wie viel von der ursprünglichen Investition tatsächlich in die Pflanzung und Pflege fließt. Hochglanz-Werbung, aggressive Vertriebsstrukturen und aufwendiges Marketing verursachen Kosten, die sich am Ende auf die Rendite auswirken.

Fazit: Langfristige Naturwette mit Unsicherheiten

Das Teakholz-Investment mag reizvoll erscheinen: Es verspricht eine greifbare Sachwertanlage mit grüner Note. Doch es bleibt eine Wette auf Preisentwicklungen, Unternehmensbestand und Naturverlauf über zwei Jahrzehnte. Eine sichere Geldanlage sieht anders aus. Wer investiert, sollte sich der Risiken bewusst sein und bestenfalls nur Geld einsetzen, dessen Verlust man verkraften kann.

Denn eins ist sicher: Ein 20 Jahre alter Teakbaum aus Costa Rica passt leider nicht ins Handgepäck für den Rückflug – auch wenn er zersägt ist.

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