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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime über die Taurus Sachwerte AG Vaduz

Nike_Noor (CC0), Pixabay
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Frage: Herr Reime, die Taurus Sachwerte AG hat umfangreiche Nutzungsbedingungen für ihre Website veröffentlicht. Was ist Ihr erster Eindruck?

Reime: Mein Eindruck ist: Hier wird sehr deutlich gemacht, dass Anleger und Nutzer der Seite im Zweifel auf sich allein gestellt sind. Die Firma versucht, jede Haftung für Inhalte, Informationen oder sogar mögliche Fehlinvestments auszuschließen. Das ist ein Signal, dass man die Texte genau lesen sollte, bevor man überhaupt in Erwägung zieht, dort etwas zu investieren.

Frage: In § 7 der Bedingungen heißt es, die Nutzung der Website geschehe auf eigenes Risiko, und Taurus hafte nicht für Schäden, die durch Investmententscheidungen entstehen. Was bedeutet das konkret für Anleger?

Reime: Das heißt übersetzt: Wer aufgrund von Informationen auf dieser Seite eine Anlageentscheidung trifft, trägt das volle Risiko selbst. Selbst wenn die Angaben unvollständig oder fehlerhaft wären, erklärt Taurus schon im Vorfeld, dafür keine Verantwortung übernehmen zu wollen. Anleger sollten sich also bewusst sein: Ein rechtlicher Rückgriff wegen falscher Versprechen auf der Website ist praktisch ausgeschlossen.

Frage: Auch § 8 ist spannend: Dort steht, dass die Informationen keine Anlageberatung darstellen und Taurus lediglich eine „Ware zu Eigentum“ verkaufe, aber weder Konten noch Depots führe. Welche Relevanz hat das?

Reime: Das ist ein entscheidender Hinweis. Viele Anleger könnten denken, es handle sich um ein Finanzdienstleistungsunternehmen oder einen Vermögensverwalter. Dem ist nicht so. Taurus betont ausdrücklich, keine Bankgeschäfte oder Depots anzubieten. Das kann bedeuten, dass Anleger hier Vermögenswerte kaufen – etwa Sachwerte oder Beteiligungen – aber ohne die klassischen Sicherheiten, die man bei einer Bank kennt. Damit ist klar: Anleger bewegen sich rechtlich in einem Bereich, wo der Verbraucherschutz schwächer ist.

Frage: Und wie bewerten Sie die Passage über „kein Angebot, keine Beratung“?

Reime: Das ist juristisch ein Schutzschild. Damit sagt das Unternehmen: Wir geben keine verbindlichen Zusagen und keine individuelle Beratung. Wenn jemand also glaubt, er sei beraten worden, kann Taurus immer auf diesen Haftungsausschluss verweisen. Für Anleger heißt das: Sie dürfen sich nicht auf Versprechen oder Formulierungen auf der Website verlassen.

Frage: Welche Risiken ergeben sich daraus insgesamt für Anleger?

Reime: Das größte Risiko ist, dass man sein Geld investiert, ohne wirkliche Garantien oder rechtliche Sicherheiten zu haben. Sollte etwas schiefgehen, ist es schwer, Ansprüche geltend zu machen – insbesondere, weil die Gesellschaft in Liechtenstein sitzt und sich auf liechtensteinisches Recht beruft. Das macht Rechtsdurchsetzung für deutsche Anleger zusätzlich kompliziert und teuer.

Frage: Was raten Sie Anlegern, die über ein Engagement bei Taurus Sachwerte nachdenken?

Reime: Vorsicht ist hier oberstes Gebot. Man sollte genau prüfen, was man tatsächlich kauft, welche Verträge man unterschreibt und welche Sicherheiten bestehen. Wer investieren will, sollte sich unbedingt unabhängig beraten lassen – von einem Anwalt oder einem Finanzexperten, der nicht mit Taurus verbunden ist. Und man muss bereit sein, im Zweifel das investierte Kapital zu verlieren.

👉 Fazit von Jens Reime:
„Die Nutzungsbedingungen sind in erster Linie ein Haftungsausschluss für Taurus – nicht ein Schutz für Anleger. Wer investiert, muss wissen, dass er auf eigenes Risiko handelt und im Streitfall nur schwer seine Rechte durchsetzen kann.“

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