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Interview mit Rechtsanwalt Jens Reime aus Bautzen: Was Anleger im Fall Quantum Compute Fonds jetzt wissen müssen

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Redaktion: Herr Reime, die BaFin hat eine Warnung bezüglich des sogenannten Quantum Compute Fonds ausgesprochen. Was ist aus Ihrer Sicht das Problem?

Jens Reime: Nach den aktuellen Informationen der BaFin handelt es sich um ein nicht zugelassenes Angebot von Kryptodienstleistungen. Besonders problematisch ist hier, dass Anleger gezielt in WhatsApp-Gruppen angesprochen werden – also auf sehr informellem, persönlichem Weg. Diese Masche suggeriert Nähe und Vertrauen, ist aber in Wirklichkeit hochgradig unseriös.

Redaktion: Was macht den Fall besonders brisant?

Jens Reime: Es kommen mehrere Warnsignale zusammen: Zum einen fehlt die notwendige BaFin-Zulassung. Zum anderen werden Identitäten missbraucht – etwa die eines angeblichen Börsenanalysten Gil Blake – und es wird sogar eine Zulassung durch die US-amerikanische SEC vorgetäuscht. Auch die genannten Plattformen FintechX und FNTCX sowie die Webseiten computefund.com und blakecompute.com stehen im Verdacht, Teil dieser Struktur zu sein. Das zeigt, wie raffiniert und international verzweigt solche Täuschungsversuche oft sind.

Redaktion: Was raten Sie Anlegern, die möglicherweise betroffen sind?

Jens Reime: Wer über WhatsApp oder andere Messenger-Dienste zu einer Anmeldung bei FintechX oder FNTCX aufgefordert wurde oder dort bereits investiert hat, sollte umgehend handeln: Zunächst gilt es, alle Kommunikationsverläufe und Zahlungsnachweise zu sichern. Dann sollte man sich rechtlich beraten lassen. In vielen Fällen lohnt es sich, Anzeige zu erstatten – zum einen bei der Polizei, zum anderen bei der BaFin. Auch eine Meldung bei der Verbraucherzentrale ist sinnvoll.

Redaktion: Gibt es überhaupt realistische Chancen, das investierte Geld zurückzubekommen?

Jens Reime: Leider sind die Erfolgsaussichten oft begrenzt, weil die Hintermänner schwer greifbar sind. Aber in Einzelfällen gelingt es, Zahlungsströme zu stoppen oder über Banken Gelder zu sichern – vorausgesetzt, man reagiert schnell. Wer zu lange zögert, gibt diesen Tätern nur mehr Zeit, ihre Spuren zu verwischen.

Redaktion: Wie können sich Anleger künftig besser schützen?

Jens Reime: Grundregel Nummer eins: Niemals auf Finanzangebote reagieren, die über WhatsApp, Telegram oder Social Media ungefragt zugesandt werden. Und: Ein Blick in die Unternehmensdatenbank der BaFin ist Pflicht. Dort kann jeder nachprüfen, ob ein Anbieter überhaupt zugelassen ist. Wenn ein Unternehmen mit auffällig hohen Renditen wirbt oder mit Prominenten oder angeblichen Analysten wie „Gil Blake“ lockt – dann ist höchste Vorsicht geboten.

Redaktion: Vielen Dank, Herr Reime, für diese Einschätzung.

Jens Reime: Ich danke Ihnen.

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