Frage: Herr Blazek, die BaFin hat eine neue Abfrage zu Cum/Cum-Geschäften gestartet. Können Sie für uns einmal ganz einfach erklären, worum es dabei eigentlich geht?
Daniel Blazek: Sehr gerne. Cum/Cum-Geschäfte sind spezielle Aktientransaktionen rund um den Dividendenstichtag. Kurz gesagt: Dabei geht es darum, wie Aktien so übertragen werden, dass Steuervorteile genutzt werden können – oft durch ausländische Investoren in Zusammenarbeit mit deutschen Banken. In der Vergangenheit wurde das teilweise sehr aggressiv genutzt, was dem Staat viel Geld gekostet hat. Jetzt prüft die BaFin, wie stark Banken, Versicherungen oder Fonds heute noch in solche Geschäfte verwickelt sind – und ob dadurch finanzielle Risiken entstehen.
Frage: Warum ist das für die BaFin überhaupt ein Thema?
Daniel Blazek: Die BaFin ist dafür da, den Finanzmarkt zu beaufsichtigen und sicherzustellen, dass Banken & Co. stabil und gesetzestreu arbeiten. Wenn sich ein Institut an fragwürdigen oder rechtlich grenzwertigen Geschäften beteiligt – wie es Cum/Cum- oder auch Cum/Ex-Geschäfte in der Vergangenheit waren – kann das ein Warnsignal sein. Es geht also nicht nur um Geld, sondern auch um die „innere Ordnung“ einer Bank, also wie gut sie geführt und kontrolliert wird.
Frage: Wer muss auf diese Abfrage reagieren?
Daniel Blazek: Sehr viele Marktteilnehmer – darunter fast alle deutschen Banken, bestimmte Wertpapierhändler, Fondsgesellschaften, Versicherungen und Pensionskassen. Sie stehen unter Bundesaufsicht und sollen nun offenlegen, ob und wie sie in Cum/Cum- oder Cum/Ex-Geschäfte involviert waren oder sind.
Frage: Ist diese Abfrage etwas völlig Neues?
Daniel Blazek: Nein, das ist bereits die vierte Abfrage dieser Art. Die BaFin hat bereits 2017, 2020 und 2021 ähnliche Umfragen gemacht. Aber jetzt scheint sie besonders gründlich hinschauen zu wollen – wahrscheinlich auch, weil es neue Informationen oder Verdachtsmomente gibt. Neu ist auch, dass diesmal explizit auch Cum/Ex-Informationen abgefragt werden.
Frage: Sie haben gerade Cum/Ex erwähnt. Wie unterscheidet sich das von Cum/Cum?
Daniel Blazek: Beide Modelle drehen sich um Steuererstattungen rund um Dividenden – also Ausschüttungen von Unternehmen an Aktionäre. Der Unterschied: Bei Cum/Ex-Geschäften wurde die Kapitalertragsteuer teilweise mehrfach erstattet – also wirklich zu Unrecht. Das ist in vielen Fällen als kriminell eingestuft worden. Cum/Cum-Geschäfte bewegen sich eher in einer rechtlichen Grauzone, waren aber ebenfalls sehr problematisch.
Frage: Welche Folgen kann es für ein Institut haben, wenn es bei dieser Abfrage negativ auffällt?
Daniel Blazek: Die BaFin könnte zusätzliche Prüfungen anordnen oder sogar Maßnahmen ergreifen – etwa die Anforderung von mehr Eigenkapital, eine verschärfte Aufsicht oder Anforderungen an die Unternehmensführung. Zudem ist der Reputationsschaden nicht zu unterschätzen, wenn bekannt wird, dass ein Institut sich an solchen Modellen beteiligt hat oder beteiligt ist.
Frage: Und was ist der nächste Schritt?
Daniel Blazek: Die betroffenen Unternehmen müssen die Fragen der BaFin nun umfassend beantworten – das ist Pflicht. Die BaFin wird die Antworten auswerten und je nach Ergebnis entscheiden, ob weitere Maßnahmen nötig sind. Für viele Unternehmen ist das jetzt ein Anlass, intern aufzuräumen und zu prüfen, ob solche Geschäfte heute noch stattfinden – und ob sie verantwortbar sind.
Frage: Herr Blazek, vielen Dank für Ihre klaren Worte!
Daniel Blazek: Sehr gerne – wichtig ist, dass solche Themen verständlich bleiben, auch wenn sie komplex klingen.
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