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Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev zur BaFin-Warnung vor lwex.com

Tomasz_Mikolajczyk (CC0), Pixabay
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Redaktion: Frau Bontschev, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt aktuell vor Angeboten auf der Website lwex.com, die ohne Erlaubnis Kryptowerte-Dienstleistungen anbieten soll. Was bedeutet das konkret für Verbraucher?

Kerstin Bontschev: Die Warnung der BaFin ist ein ernstzunehmender Hinweis darauf, dass lwex.com ohne die gesetzlich erforderliche Genehmigung Finanzdienstleistungen im Bereich Kryptowährungen anbietet. Das heißt: Wer dort investiert oder Geld überträgt, hat keinerlei Schutz – weder durch deutsche Aufsichtsbehörden noch durch staatlich regulierte Mechanismen. Es besteht ein hohes Risiko, Opfer von Betrug zu werden.

Redaktion: Was sollten betroffene Anleger tun, die bereits Geld investiert haben?

Kerstin Bontschev: Betroffene sollten sofort handeln. Der erste Schritt ist, sämtliche Zahlungen zu dokumentieren – also Kontoauszüge, Kommunikationsverläufe, Verträge oder Screenshots der Plattform zu sichern. Anschließend sollte schnellstmöglich eine Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft erstattet werden. Parallel ist die Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Anwalt sinnvoll, um zivilrechtlich Ansprüche prüfen zu lassen, etwa auf Rückzahlung oder Schadensersatz.

Redaktion: Ist es realistisch, dass geschädigte Anleger ihr Geld zurückbekommen?

Kerstin Bontschev: Das hängt stark vom Einzelfall ab. Wenn es sich um ein klassisches Schneeballsystem oder einen Offshore-Betrug handelt, ist es oft sehr schwer, an das Geld zu kommen. Aber in manchen Fällen können Banken, Zahlungsdienstleister oder Vermittler haftbar gemacht werden, wenn sie gegen gesetzliche Sorgfaltspflichten verstoßen haben. Es lohnt sich also, den Fall professionell prüfen zu lassen.

Redaktion: Wie können sich Verbraucher generell vor solchen Anbietern schützen?

Kerstin Bontschev: Zunächst sollte man immer im Unternehmensregister der BaFin nachsehen, ob der Anbieter über eine Lizenz verfügt. Bei fehlenden Angaben zum Unternehmen, zur Rechtsform oder bei unrealistischen Versprechen – wie etwa garantiert hohen Renditen – sollte man sofort misstrauisch werden. Zudem empfehle ich, sich nie unter Zeitdruck zu Investitionen drängen zu lassen. Und: Niemals Geld an unbekannte Wallets oder über Krypto-Plattformen überweisen, die keine Impressumsangaben oder rechtliche Hinweise vorhalten.

Redaktion: Vielen Dank, Frau Bontschev, für die klaren Hinweise.

Kerstin Bontschev: Sehr gerne – und ich kann allen Betroffenen nur raten: Lassen Sie sich rechtzeitig beraten, bevor es zu spät ist.

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