Moderator: Frau Bontschev, Luxusuhren als Kapitalanlage sind ein spannendes Thema. Manche sehen sie als lohnende Investition, andere als spekulatives Glücksspiel. Wie sehen Sie das aus rechtlicher und finanzieller Perspektive?
Kerstin Bontschev: Nun, das hängt stark davon ab, wie man an das Thema herangeht. Wer sich gut auskennt und gezielt investiert, kann mit Luxusuhren attraktive Renditen erzielen. Aber wer denkt, er kauft einfach eine Rolex und wartet, bis sie sich von selbst im Wert verdoppelt, der kann schnell eine böse Überraschung erleben.
Moderator: Woran liegt das?
Kerstin Bontschev: Es gibt mehrere Faktoren: Erstens ist der Markt für Luxusuhren nicht reguliert wie beispielsweise der Aktien- oder Immobilienmarkt. Die Preisentwicklung ist daher weniger vorhersehbar und hängt stark von Angebot und Nachfrage ab. Zweitens gibt es rechtliche Fallstricke, vor allem in Bezug auf Echtheit, Herkunftsnachweise und steuerliche Aspekte.
„Nicht jede teure Uhr ist eine gute Investition“
Moderator: Bleiben wir kurz bei der Echtheit. Gerade auf Online-Marktplätzen gibt es immer wieder Fälschungen. Worauf muss man achten?
Kerstin Bontschev: Genau, das ist ein großes Problem. Plagiate sind ein Milliardengeschäft. Und mit den heutigen Methoden sind manche Fälschungen so gut, dass selbst Experten sie auf den ersten Blick nicht erkennen.
Wichtig ist, nur bei vertrauenswürdigen Händlern oder zertifizierten Plattformen zu kaufen. Ein vollständiges Originalzertifikat, eine geprüfte Historie und idealerweise eine Dokumentation aller Wartungen sind essenziell. Fehlt eines dieser Dokumente, kann der Wiederverkaufswert erheblich sinken – oder schlimmer noch: Man kauft eine Fälschung und hat kaum rechtliche Handhabe, sein Geld zurückzubekommen.
Moderator: Also Finger weg von zu günstigen Angeboten?
Kerstin Bontschev: Absolut. Wenn eine Rolex Daytona plötzlich für einen Bruchteil des Marktpreises angeboten wird, sollte man stutzig werden. Und selbst wenn das Angebot seriös erscheint: Eine unabhängige Prüfung durch einen Uhrmacher oder Gutachter ist immer eine gute Idee.
Steuern und Wertsteigerung – was muss beachtet werden?
Moderator: Wenn jemand eine Luxusuhr kauft, um sie nach ein paar Jahren mit Gewinn zu verkaufen – gibt es steuerliche Aspekte zu beachten?
Kerstin Bontschev: Ja, und viele Anleger unterschätzen das. In Deutschland unterliegt der Verkauf von Luxusuhren der Spekulationssteuer, wenn die Uhr innerhalb eines Jahres mit Gewinn verkauft wird.
Das bedeutet: Wer heute eine Patek Philippe kauft und in sechs Monaten mit 10.000 Euro Gewinn verkauft, muss diesen Gewinn mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Wartet man allerdings mindestens ein Jahr, bleibt der Gewinn steuerfrei – ein wichtiger Punkt für die Investmentstrategie.
Moderator: Und wie sieht es mit der Mehrwertsteuer aus?
Kerstin Bontschev: Wer bei einem gewerblichen Händler kauft, zahlt natürlich die Mehrwertsteuer. Beim Wiederverkauf als Privatperson ist diese allerdings nicht rückerstattbar. Beim Kauf aus dem Nicht-EU-Ausland können zudem Zollgebühren und Einfuhrumsatzsteuer anfallen.
Versicherung und Aufbewahrung – unterschätzte Kosten
Moderator: Luxusuhren sind wertvoll – aber auch begehrt bei Dieben. Wie sollte man sie aufbewahren?
Kerstin Bontschev: Das ist ein essenzieller Punkt. Wer eine Luxusuhr als Investment kauft, sollte nicht vergessen, dass sie auch ein hohes Diebstahlrisiko birgt. Eine spezielle Uhrenversicherung ist daher ratsam, denn eine klassische Hausratversicherung deckt oft nur einen begrenzten Betrag ab.
Zudem sollte man überlegen, ob man die Uhr überhaupt zu Hause aufbewahrt. Bankschließfächer oder Tresore mit Sicherheitszertifikat sind eine bessere Wahl – aber das kostet natürlich auch Geld.
Moderator: Das heißt, beim Kauf einer Luxusuhr muss man nicht nur an den Preis, sondern auch an laufende Kosten denken?
Kerstin Bontschev: Genau. Wartung, Versicherung, sichere Aufbewahrung – das sind alles Kosten, die am Ende die Rendite schmälern können.
Luxusuhren vs. Aktien & Gold – wo lohnt sich die Investition mehr?
Moderator: Wie vergleichen Sie Luxusuhren als Investment mit klassischen Anlagen wie Aktien oder Gold?
Kerstin Bontschev: Luxusuhren sind definitiv spekulativer. Während Aktien und Gold liquide Anlageformen sind – also jederzeit relativ schnell verkauft werden können – ist der Markt für Uhren kleiner und weniger transparent.
Dazu kommt: Bei Aktien gibt es Dividenden, bei Gold die Krisensicherheit. Luxusuhren hingegen bringen nur beim Wiederverkauf eine Rendite – wenn überhaupt.
Ich würde daher sagen: Luxusuhren sind eine Ergänzung, aber kein Ersatz für klassische Investments.
Fazit: Lohnt sich ein Investment in Luxusuhren?
Moderator: Also, Frau Bontschev, abschließend: Lohnt es sich, in Luxusuhren zu investieren?
Kerstin Bontschev: Ja – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Wer sich gut auskennt, Zugang zu begehrten Modellen hat und bereit ist, Zeit in die Recherche zu investieren, kann Gewinne erzielen.
Aber: Luxusuhren sollten niemals das Hauptinvestment sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt besser bei klassischen Anlageformen wie Aktien oder ETFs.
Oder – ganz simpel: Wer eine Luxusuhr liebt und tragen möchte, hat am Ende immer eine lohnende „Rendite“ – nämlich die Freude am Besitz.
Moderator: Vielen Dank für das Gespräch!
Kerstin Bontschev: Sehr gerne!
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