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Interview mit einem Klimaforscher

jplenio (CC0), Pixabay
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Interviewer von diebewertung.de: Wie stark nimmt Europa die Folgen der Klimakrise wahr?

Klimaforscher: Wir sehen diesen Sommer deutlich die Auswirkungen, von verheerenden Bränden in Urlaubsregionen bis hin zu tropischen Nächten mit Temperaturen über 30 Grad in Österreich. Diese Situation kann in der Bevölkerung Gefühle von Angst, Panik und sogar Verdrängungsmechanismen hervorrufen.

Interviewer: Was hat es mit diesen Gefühlen auf sich und wie können wir mit ihnen umgehen?

Klimaforscher: Nun, der Klimawandel wird nun auch im globalen Norden zunehmend sichtbar und spürbar. Ein Gefühl der Klimaangst, auch „Climate Anxiety“ genannt, kann bei manchen Menschen hervorgerufen werden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Man kann es als eine emotionale Reaktion auf die dringenden Warnungen vor der Klimakrise verstehen.

Interviewer: Wie äußert sich diese Klimaangst?

Klimaforscher: Eine internationale Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass 45 Prozent der Jungen im Alter von 16 bis 25 Jahren sich von ihrer Klimaangst im täglichen Leben beeinträchtigt fühlen. Diese Sorgen werden bei Erwachsenen in der Therapie seltener angesprochen, sind aber oft unterschwellig vorhanden.

Interviewer: Was können wir gegen diese Angst und unangenehmen Gefühle tun?

Klimaforscher: Angst und Panik haben einen evolutionären Sinn: Sie motivieren uns, zu handeln, und helfen uns, Situationen zu verarbeiten, die wir nicht ändern können. Über diese Gefühle zu sprechen kann hilfreich sein. Darüber hinaus ist es wichtig, sich der eigenen Einflussmöglichkeiten bewusst zu sein und kollektive Wirksamkeit zu erleben, zum Beispiel durch Engagement in der Klimabewegung oder Veränderungen des eigenen Konsumverhaltens.

Interviewer: Wie sieht es mit der Verdrängung der Klimakrise aus?

Klimaforscher: Es ist richtig, dass viele Menschen die Konfrontation mit den Folgen der Klimakrise verdrängen. Dies ist ein psychologischer Schutzmechanismus, der besonders dann zum Tragen kommt, wenn wir uns mit einem globalen, komplexen Problem konfrontiert sehen, für das wir keine Handlungsmöglichkeiten sehen.

Interviewer: Wie reagieren Menschen auf Klimaproteste?

Klimaforscher: Klimaproteste können Verdrängungsmechanismen stören und eine Diskrepanz zwischen Glaubensansätzen und eigenem Handeln aufzeigen. Dies kann entweder zu Handlungen führen oder zu Trotzreaktionen bei denen, die sich in ihren Freiheiten eingeschränkt fühlen.

Interviewer: Gibt es Leute, die den menschengemachten Klimawandel leugnen?

Klimaforscher: Ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung reagiert tatsächlich mit Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Sie tun dies oft, um ihre Privilegien und ihren Status quo zu schützen.

Interviewer: Wie steht die Bevölkerung zu umweltfreundlicheren Lebensstilen?

Klimaforscher: Die meisten Menschen wollen nicht bewusst umwelt- und klimaschädlich leben. Laut einer Studie wünschen sich 71 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine deutliche Ausweitung der Klimaschutzmaßnahmen. Viele Menschen möchten zum Klimaschutz beitragen, indem sie nachhaltiger konsumieren, ihren Müll trennen und öfter öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Interviewer: Was ist Ihre Botschaft an Politik und Gesellschaft?

Klimaforscher: Wir müssen lernen, mit der Krise umzugehen und verstehen, dass bisherige Verhaltensmuster nicht mehr ausreichen. Ich appelliere für mehr Kooperation und Fokus auf hoffnungsvolle Geschichten und lösungsorientierte Ansätze in der Medienberichterstattung. Der Kampf gegen die menschengemachte Klimaerwärmung ist eine gemeinsame Aufgabe und Aufgeben ist keine Option.

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