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Interview mit dem Immobilienexperten Birger Dehne: Aktuelle Herausforderungen und Risiken auf dem Immobilienmarkt

Tumisu (CC0), Pixabay
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Interviewer: Herr Dehne, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. Seit Ende 2022 beobachten wir signifikante Veränderungen auf dem Immobilienmarkt. Könnten Sie uns Ihre Einschätzung dazu geben?

Birger Dehne: Gern. Wir erleben derzeit in der Tat eine grundlegende Veränderung. Nach Jahren stetiger Preisanstiege sehen wir nun einen Rückgang der Immobilienpreise, was die Ertragslage der Kreditinstitute belastet und in einigen Fällen zu Kreditausfällen führen könnte.

Interviewer: Welche Rolle spielen Gewerbeimmobilien in diesem Kontext?

Birger Dehne: Gewerbeimmobilien sind besonders betroffen. Wir sehen deutliche Preisrückgänge, insbesondere bei Büro- und Einzelhandelsobjekten. Diese Entwicklung wird durch verschiedene Faktoren wie ungünstige Finanzierungsbedingungen, den wirtschaftlichen Abschwung und den Trend zu Online-Shopping verstärkt.

Interviewer: Wie wirkt sich das auf die Kreditvergabe aus?

Birger Dehne: Das Neukreditgeschäft im Bereich der Gewerbeimmobilien ist stark zurückgegangen. Dies ist teilweise auf die verschlechterte Kreditqualität und die erhöhten Zinsen zurückzuführen. Banken, die sich stark auf die Gewerbeimmobilienfinanzierung konzentrieren, sind besonders gefährdet.

Interviewer: Und wie sieht es im Bereich der Wohnimmobilien aus?

Birger Dehne: Auch hier sehen wir einen Rückgang der Preise, besonders bei Bestandsimmobilien. Die gestiegenen Hypothekenzinsen und Baukosten machen Wohneigentum weniger erschwinglich, was sich auf die Nachfrage auswirkt.

Interviewer: Welche Maßnahmen ergreift die BaFin in dieser Situation?

Birger Dehne: Die BaFin hat bereits reagiert, um die Widerstandskraft des Bankensystems zu stärken. Dazu gehört die Einführung eines antizyklischen Kapitalpuffers sowie eines Systemrisikopuffers. Außerdem überwacht die BaFin die Kreditvergabe der Institute und ihre Immobilienfondsanteile genau.

Interviewer: Sehen Sie weitere Risiken für den Immobilienmarkt?

Birger Dehne: Ja, insbesondere das Liquiditätsrisiko bei offenen Immobilienfonds. Zudem könnten langfristige Auswirkungen der Inflation und ein möglicher Konjunktureinbruch zu weiteren Herausforderungen führen.

Interviewer: Herr Dehne, vielen Dank für Ihre Einschätzung zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt.

Birger Dehne: Es war mir eine Freude. Diese Entwicklungen sind entscheidend für die Zukunft des Marktes, und es ist wichtig, sie genau zu beobachten.

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