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Interview mit dem Aktienexperten Mike Blum: „Geringe Gebühren und günstige Aktien könnten mehr Deutsche anlocken“

geralt (CC0), Pixabay
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In Deutschland investieren vergleichsweise wenige Menschen in Aktien. Experten machen dafür hohe Bankgebühren, teure Aktien und den begrenzten Zugang zu vielversprechenden vorbörslichen Papieren verantwortlich. Doch würden wirklich mehr Menschen investieren, wenn Aktien günstiger wären? Wir haben mit Mike Blum, Aktienexperte und Bankmitarbeiter, gesprochen.

Herr Blum, warum ist die Aktienkultur in Deutschland so schwach ausgeprägt?

Ein Hauptgrund ist sicherlich die Skepsis gegenüber der Börse. Viele Deutsche bevorzugen Sparbücher oder Tagesgeld, obwohl die Zinsen dort kaum die Inflation ausgleichen. Hinzu kommt, dass hohe Ordergebühren das Investieren gerade für Kleinanleger unattraktiv machen. Wenn jemand für eine kleine Aktienorder direkt 10 bis 20 Euro Gebühren zahlen muss, überlegt er es sich zweimal.

Würden mehr Menschen Aktien kaufen, wenn die Gebühren niedriger wären?

Definitiv. Wir sehen das an der Entwicklung der Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, die mit geringen oder gar keinen Ordergebühren arbeiten. Diese Anbieter haben dazu beigetragen, dass gerade junge Menschen mehr investieren. Wenn Banken ihre Gebühren senken würden, wäre das ein großer Schritt hin zu einer breiteren Aktienkultur.

Ein weiteres Problem sind die hohen Aktienpreise. Sind teure Aktien wirklich ein Hindernis?

Ja und nein. Eine einzelne Amazon- oder Tesla-Aktie kostet oft mehrere hundert Euro – das schreckt viele ab. Zwar gibt es mittlerweile Bruchstück-Investitionen, bei denen man auch für kleine Beträge in teure Aktien einsteigen kann, aber das ist noch nicht überall Standard. Ein flexiblerer Zugang könnte definitiv helfen.

Wie sieht es mit vorbörslichen Aktien aus? Viele Investoren träumen davon, früh bei zukünftigen Börsenstars dabei zu sein.

Das ist in Deutschland tatsächlich schwer. In den USA gibt es viel mehr Möglichkeiten, in Venture-Capital-Projekte oder IPOs zu investieren. Hierzulande sind solche Investments oft institutionellen Investoren vorbehalten. Wenn sich das ändern würde, könnte das den Markt noch attraktiver machen.

Was müsste passieren, damit mehr Deutsche an der Börse investieren?

Drei Dinge: Geringere Gebühren, bessere Finanzbildung und einfacher Zugang zu Aktieninvestments. Viele wissen nicht, wie Aktien funktionieren oder haben Angst vor Verlusten. Dabei bietet die Börse langfristig oft bessere Renditen als klassische Sparformen.

Ihr Tipp für Börseneinsteiger?

Klein anfangen, regelmäßig investieren und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen nervös machen lassen. Die beste Strategie für Einsteiger sind oft breit gestreute ETFs, die mit geringen Kosten langfristig solides Wachstum ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Blum!

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