Geldwäscher rekrutieren Jugendliche als sogenannte Finanzagenten – oft über soziale Medien. Thomas Bremer, Experte für Finanzkriminalität, erklärt, wie die Masche funktioniert, welche Konsequenzen drohen und was Eltern tun können.
Herr Bremer, ein junger Mann aus Niedersachen wurde Opfer einer perfiden Geldwäschemasche. Wie funktioniert dieses System?
Thomas Bremer: Das Prinzip ist einfach – und deshalb so gefährlich. Kriminelle überweisen illegal erworbenes Geld auf das Konto eines Jugendlichen, der denkt, er macht damit nur einen harmlosen Freundschaftsdienst. Er hebt das Geld ab, behält ein paar Prozent als „Provision“ und übergibt den Rest. Was er nicht weiß: Er macht sich damit strafbar – wegen Geldwäsche.
Wie werden Jugendliche auf diese Masche aufmerksam?
Die Kontaktaufnahme läuft meist über soziale Medien – TikTok, Instagram oder Messenger-Dienste wie Snapchat. Es wird mit Sätzen geworben wie „Verdiene 100 Euro in 5 Minuten – ohne Vorkenntnisse“. Viele Jugendliche denken, das sei ein Nebenjob. Manchmal sind es sogar vermeintliche Freunde oder Bekannte, die die erste Verbindung herstellen.
Welche Rolle spielt dabei das Alter und die Unerfahrenheit der Opfer?
Eine zentrale. Jugendliche haben oft keine Vorstellung davon, wie Geldwäsche funktioniert oder welche Folgen ihr Handeln haben kann. Sie sehen nur das schnelle Geld – aber nicht, dass sie sich juristisch in eine sehr gefährliche Grauzone begeben. Viele wissen nicht, dass sie durch die Weiterleitung von Geldern selbst als Täter gelten – nicht als Opfer.
Was droht den Jugendlichen rechtlich?
Je nach Einzelfall kann die Beteiligung an Geldwäsche mit einer Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe geahndet werden. Noch schwerer wiegt oft der langfristige Schaden: Ein Eintrag bei der Schufa, gesperrte Konten, der Verlust der Kreditwürdigkeit – das kann den Start ins Berufsleben massiv belasten. Besonders tückisch: Wer mit 17 einen solchen Fehler macht, zahlt manchmal noch mit 27 dafür.
Was können Eltern oder Lehrkräfte tun, um vorzubeugen?
Offen und ehrlich über diese Masche sprechen – am besten bevor der erste Kontakt über Social Media passiert. Eltern sollten erklären, dass man niemals Kontodaten oder EC-Karten an Fremde weitergibt, auch nicht „nur kurz für einen Freund“. Lehrkräfte könnten in Projekttagen oder im Sozialkundeunterricht auf digitale Kriminalität eingehen. Prävention ist hier der beste Schutz.
Wie reagieren die Täter, wenn etwas schiefläuft – wie im Fall in Neumünster, als der Jugendliche bedroht wurde?
Das ist der zweite gefährliche Aspekt. Sobald die Täter das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, greifen sie zu Einschüchterung. Sie drohen, verfolgen, tauchen sogar im familiären Umfeld auf. Das zeigt: Hinter dieser scheinbar harmlosen Masche steckt oft organisierte Kriminalität. Wer sich darauf einlässt, spielt mit seiner Sicherheit – nicht nur mit seiner Strafakte.
Gibt es Hoffnung, das Problem in den Griff zu bekommen?
Ja, aber nur durch Aufklärung. Polizei und Schulen allein können das nicht stemmen. Es braucht auch digitale Medienkompetenz zu Hause und eine Sensibilisierung dafür, dass „schnelles Geld“ meist eine langsame Katastrophe nach sich zieht. Wenn wir Jugendlichen zeigen, wie echte finanzielle Selbstständigkeit funktioniert, verlieren solche Betrugsmodelle ihren Reiz.
Herr Bremer, vielen Dank für das Gespräch.
Thomas Bremer: Sehr gern – und bitte: Reden Sie mit Ihren Kindern über sowas, bevor es andere tun.
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