Startseite Interviews Interview: Die Bedeutung des Fremdbesitzverbots in der Anwaltschaft
Interviews

Interview: Die Bedeutung des Fremdbesitzverbots in der Anwaltschaft

chrystalizabeth (CC0), Pixabay
Teilen

Interviewer: Guten Tag, Frau Bontschev. Wir möchten heute mit Ihnen über die Bedeutung des Fremdbesitzverbots in der Anwaltschaft sprechen. Können Sie uns zunächst erklären, worum es bei diesem Thema geht?

Kerstin Bontschev: Guten Tag. Natürlich, das Fremdbesitzverbot ist eine Regelung, die verhindert, dass Investoren, die nicht an die berufsrechtlichen Vorschriften der Anwaltschaft gebunden sind, sich an Anwaltskanzleien beteiligen können. Dies soll sicherstellen, dass die Unabhängigkeit der Anwaltschaft gewahrt bleibt und das Vertrauensverhältnis zu den Mandanten geschützt wird.

Interviewer: Welche Rolle spielt das Vorabentscheidungsverfahren des EuGH in dieser Angelegenheit?

Kerstin Bontschev: Das Vorabentscheidungsverfahren des EuGH ist von entscheidender Bedeutung, da es darüber entscheiden wird, ob das Fremdbesitzverbot mit europäischem Recht vereinbar ist. Diese Entscheidung wird nicht nur Auswirkungen auf den deutschen Rechtsrahmen haben, sondern auch die zukünftige Ausgestaltung des Anwaltsmarktes beeinflussen.

Interviewer: Wie sehen Sie persönlich die möglichen Auswirkungen einer Aufhebung oder Lockerung des Fremdbesitzverbots?

Kerstin Bontschev: Eine Aufhebung oder Lockerung des Fremdbesitzverbots könnte weitreichende Folgen haben. Es besteht die Gefahr, dass externe Investoren Einfluss auf die Anwaltschaft nehmen und die Unabhängigkeit der Rechtsanwälte gefährden. Dies könnte das Vertrauensverhältnis zu den Mandanten beeinträchtigen und das Ansehen der Anwaltschaft insgesamt negativ beeinflussen.

Interviewer: Einige argumentieren, dass eine Öffnung des Marktes für Investoren, wie zum Beispiel Legal Tech-Anbieter, Innovationen fördern könnte. Wie stehen Sie zu diesem Argument?

Kerstin Bontschev: Es ist wichtig, Innovationen zu fördern, aber dies darf nicht auf Kosten der Unabhängigkeit und des Vertrauens in die Anwaltschaft gehen. Es gibt auch andere Wege, um Innovationen voranzutreiben, ohne die Integrität der Anwaltschaft zu gefährden. Eine umfassende Diskussion darüber ist unerlässlich.

Interviewer: Abschließend, welche Botschaft möchten Sie in dieser Debatte vermitteln?

Kerstin Bontschev: Mein Appell ist, die langfristigen Auswirkungen einer Aufhebung oder Lockerung des Fremdbesitzverbots sorgfältig zu bedenken. Die Unabhängigkeit und Integrität der Anwaltschaft sind von zentraler Bedeutung für das Vertrauensverhältnis zu den Mandanten und die Qualität unserer Arbeit. Wir sollten sicherstellen, dass jegliche Veränderungen diese Werte nicht gefährden.

Interviewer: Vielen Dank, Frau Bontschev, für Ihre Einsichten in dieses wichtige Thema.

Kerstin Bontschev: Gern geschehen. Es ist wichtig, diese Diskussion offen zu führen und die langfristigen Konsequenzen abzuwägen.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Interviews

„Klingt zu gut, um wahr zu sein? Dann ist es das wahrscheinlich auch.“

Redaktion:Herr Högel, die BaFin hat heute gleich mehrere Warnungen zu dubiosen Geldanlagen...

Interviews

„Warum brauchen wir in Deutschland einen Anwalt – und warum schauen bei Life Forestry alle in die Schweiz

Ein Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev und Rechtsanwalt Jens Reime Inmitten eines...

Interviews

„Buy now, pay later ist kein harmloser Trend“ – Interview mit Rechtsanwalt Niklas Linnemann

Herr Linnemann, laut einer aktuellen BaFin-Umfrage verliert jede*r Siebte beim Online-Shopping mit...

Interviews

„Wenn’s nach WhatsApp riecht, sollten Anleger rennen“

Interview mit Rechtsanwalt Niklas Linnemann über dubiose Finanzangebote aus Österreich – und...