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Interview: „Bei Identitätsmissbrauch gilt: Sofort handeln, Beweise sichern, Zahlungen stoppen“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Frage: Herr Iwanow, die BaFin warnt aktuell vor mehreren Websites wie fam-asset-muenchen.de, investfin24.com oder Immediate Connect. Worum geht es da genau?

Michael Iwanow: Hier haben wir es mit klassischem Identitätsmissbrauch und unerlaubten Finanzgeschäften zu tun. Die Betreiber geben sich als bekannte Firmen oder Banken aus – etwa die FAM Family Office and Asset Management GmbH oder die Boerse Stuttgart Digital Custody GmbH. In Wahrheit haben diese seriösen Unternehmen aber nichts mit den Angeboten zu tun. Anleger sollen durch gefälschte Impressen, falsche Handelsregistereinträge oder gefälschte Lizenzen in die Irre geführt werden.


Frage: Was bedeutet das für Anleger, die dort Geld investiert haben?

Michael Iwanow: Leider in aller Klarheit: Wer hier Geld eingezahlt hat, läuft Gefahr, es nicht zurückzubekommen. Diese Plattformen arbeiten in der Regel ohne BaFin-Erlaubnis, oft aus dem Ausland heraus. Das macht die Durchsetzung von Ansprüchen schwierig.


Frage: Was sollten Betroffene jetzt sofort tun?

Michael Iwanow: Drei Dinge sind entscheidend:

  1. Zahlungen sofort stoppen. Keine weiteren Überweisungen oder Nachschüsse leisten.

  2. Beweise sichern. Alle E-Mails, Verträge, Kontoauszüge und Screenshots aufbewahren. Das kann später vor Gericht oder bei Ermittlungen wichtig sein.

  3. Anzeige erstatten. Unbedingt bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige stellen. Parallel sollte man die eigene Bank informieren, um gegebenenfalls Rückbuchungen zu prüfen – auch wenn die Chancen dafür oft gering sind.


Frage: Können Anleger zivilrechtlich gegen die Betreiber vorgehen?

Michael Iwanow: Theoretisch ja, praktisch ist das sehr schwierig. Die Firmen sitzen meist im Ausland, oft auf den Seychellen, in Zypern oder Estland – oder sind nur Briefkastenfirmen. Dennoch lohnt es sich, den Fall prüfen zu lassen. Manchmal gibt es Zahlungsströme über europäische Banken, die sich angreifen lassen.


Frage: Welche Rolle spielt die BaFin in diesen Fällen?

Michael Iwanow: Die BaFin warnt die Öffentlichkeit und macht klar: Hier liegt kein lizenziertes Angebot vor. Das ist wichtig, um Anleger zu sensibilisieren. Aber die BaFin selbst holt kein Geld zurück. Dafür sind die Strafverfolgungsbehörden und ggf. Anwälte zuständig.


Frage: Ihr Rat an Anleger, die solche Angebote sehen?

Michael Iwanow: Prüfen Sie immer in der BaFin-Unternehmensdatenbank, ob ein Anbieter überhaupt lizenziert ist. Seriöse Anbieter haben nichts dagegen, wenn man das nachschlägt. Und ganz wichtig: Lassen Sie sich nicht von hohen Zinsversprechen oder Zeitdruck locken. Das sind typische Tricks von Betrügern.


Frage: Und Ihr Fazit für bereits Geschädigte?

Michael Iwanow: Nicht den Kopf in den Sand stecken! Je schneller man reagiert, desto besser die Chancen, zumindest Teile des Geldes zurückzubekommen oder weitere Schäden zu vermeiden. Sofort handeln, Beweise sichern, rechtliche Schritte einleiten – das ist jetzt das Wichtigste.

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