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Inkasso ohne Grund – Wie man in Deutschland zum Schuldner wird, ohne etwas bestellt zu haben

geralt (CC0), Pixabay
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 Auch in Deutschland kann man diesen ganz besonderen Service genießen: eines Tages flattert ein netter Brief ins Haus, mit dem Inhalt: Zahlen Sie bitte 735 Euro – und zwar für nichts! Willkommen im Alltag deutscher Verbraucher, in dem man dank Inkassobüros, Onlinehändlern und Zahlungsdienstleistern ganz neue Abenteuer erleben darf – ganz ohne vorher etwas getan zu haben.

Unser Fall: Ein Mann, irgendwo im beschaulichen Bayern, staunt nicht schlecht, als er ein Schreiben von Infoscore, Creditreform oder einem ähnlich freundlich klingenden Inkassodienst erhält. Im Namen der „Shop Versand GmbH“ oder einer ähnlich ominösen Onlineapotheke fordert man Geld für eine Bestellung, die nie getätigt wurde. Und weil’s so schön ist, wird auch gleich mit Schufa-Eintrag, Mahnverfahren und „gerichtlichen Schritten“ gedroht.

Kundenservice à la Roboter – bitte halten Sie Ihre Fantasienummer bereit

Selbstverständlich wendet sich unser Protagonist sofort an den angeblichen Onlinehändler. Die Antwort: eine automatisch generierte E-Mail, die ihn auffordert, seine Kundennummer mitzuteilen. Blöd nur, dass er gar kein Kunde ist. Aber hey, Bürokratie kennt keine Realität – nur Formulare.

Nach mehreren weiteren Mailwechseln kommt dann der hilfreiche Hinweis: „Bitte senden Sie Ihre polizeiliche Anzeige direkt an das Inkassobüro.“ Natürlich! Schließlich ist der Kunde ja nicht nur Empfänger falscher Forderungen, sondern jetzt auch noch der Bote zwischen Onlinehändler und Geldgeier.

Was angeblich bestellt wurde? Tja, das bleibt das bestgehütete Geheimnis der Republik.

Drei Unternehmen, keine Verantwortung – der deutsche Dreiklang

Im Zentrum dieses kafkaesken Dreiecks:

  • Der Onlinehändler,

  • Der Zahlungsdienstleister (z. B. Klarna, Ratepay, etc.),

  • Und das Inkassobüro mit dem gewissen Drohpotenzial.

Wer wofür zuständig ist? Gute Frage. Nur leider weiß das niemand. Kommunikation? Wird überschätzt. Kundenservice? Wird delegiert. Schuld? Trägt der Verbraucher – bis zum Beweis des Gegenteils.

Identitätsmissbrauch: Nur eine neue Form von „Pech gehabt“

Laut Verbraucherzentrale handelt es sich in solchen Fällen oft um Identitätsdiebstahl. Irgendwo wurden persönliche Daten abgegriffen – und zack, hat jemand auf Ihren Namen eine Bestellung gemacht, die Sie nie gesehen haben. Und wie reagiert der Apparat? Na klar: mit einem Mahnbescheid auf Verdacht.

Wer sich nun denkt: „Das kann doch nicht rechtens sein“, dem sei gesagt: Doch, ist es! Zumindest so lange, bis Sie beweisen, dass Sie nichts bestellt haben. Und wehe, man ignoriert das Inkassoschreiben – dann drohen Schufa-Einträge und eine Bonität auf dem Level eines Schiffswracks.

Happy End? Eher per Zufall

Immerhin: Nach einer Anzeige bei der Polizei und wochenlanger Funkstille meldet sich plötzlich das Inkassobüro: Fall eingestellt!
Warum? Wegen „Personenverwechslung“. Aha.

Aber sagen tun sie das dem Betroffenen natürlich nicht direkt. Das erfährt er über Umwege. Vielleicht. Falls überhaupt. Hauptsache, man hat ihm vorher fröhlich den Schufa-Schrecken gemacht.


Fazit (leicht zynisch, aber realistisch):

  • Willkommen in Deutschland, dem Land, in dem du als Unschuldiger Schuldner werden kannst.

  • Kundendaten? Gibt’s keine.

  • Verantwortung? Wird maximal weitergereicht.

  • Kommunikation? Nur per Drohbrief.

Und das Beste: Auch wenn du am Ende doch nichts schuldest, bleibt der Beigeschmack. Denn was hängen bleibt, ist nicht nur die Angst vor dem nächsten Inkassoschreiben – sondern auch das Gefühl, im eigenen Land wie ein Verdächtiger behandelt zu werden, nur weil jemand anderes deine Daten missbraucht hat.

Tipp der Redaktion: Bei der nächsten falschen Forderung einfach eine Rechnung zurückschicken – für „emotionale Belastung und Zeitverschwendung“. Mal sehen, ob da auch eine automatische Antwort kommt.

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