Startseite Allgemeines Indiens tödliche Straßen: Warum täglich Hunderte Menschen im Verkehr sterben
Allgemeines

Indiens tödliche Straßen: Warum täglich Hunderte Menschen im Verkehr sterben

Ma_Frank (CC0), Pixabay
Teilen

Indien verzeichnet weltweit mit die höchste Zahl tödlicher Verkehrsunfälle. Allein im Jahr 2023 starben über 172.000 Menschen bei mehr als 480.000 registrierten Unfällen – das sind im Schnitt eine Person alle drei Minuten.

Besonders betroffen sind Fußgänger, Zweiradfahrer und Kinder. 10.000 Kinder kamen ums Leben, ebenso viele starben bei Unfällen in der Nähe von Schulen. 35.000 Fußgänger wurden getötet, viele durch überhöhte Geschwindigkeit, fehlende Helme oder Sicherheitsgurte. 54.000 Menschen starben, weil sie keinen Helm trugen, 16.000 wegen fehlender Gurte.

Verkehrsminister Nitin Gadkari nennt menschliches Verhalten als Hauptursache – aber auch Mängel im Straßenbau tragen bei: falsche Leitplanken, gefährliche Mittelstreifen oder erhöhte Fahrbahnen, die bei Ausweichmanövern zum Überschlag führen können. Von 13.795 gefährlichen Unfallschwerpunkten („Black Spots“) wurden nur rund ein Drittel entschärft.

Die Straßen selbst spiegeln Indiens widersprüchliche Realität wider: hochmoderne Schnellstraßen neben veralteter Infrastruktur, durchmischt mit Rikschas, Fußgängern, Tierkarren und Straßenhändlern. Viele Fahrzeuge sind alt und haben keine grundlegenden Sicherheitsmerkmale wie Airbags.

Ein weiteres Problem ist, dass Indien westliche Straßenstandards übernimmt, ohne diese an lokale Bedingungen anzupassen, sagt der Verkehrssicherheitsexperte Kavi Bhalla von der University of Chicago. Der Ausbau von Straßen führe oft zu höheren Geschwindigkeiten – und damit zu mehr Todesfällen.

Die Regierung setzt auf die „5 E“-Strategie: Engineering, Education, Enforcement, Emergency Care und Evaluation. Erste Erfolge gibt es: In sieben Bundesstaaten konnten durch gezielte Maßnahmen besonders gefährliche Strecken sicherer gemacht werden.

Doch Experten warnen: Ohne unabhängige Sicherheitskontrollen, klare Vorschriften und Sanktionen für Nichteinhaltung bleibt jede Infrastrukturmaßnahme ein Risiko. Der Preis des Fortschritts dürfe nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden – denn bessere Straßen dürfen nicht automatisch tödlichere werden.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

US-Bomber landet auf britischem Luftwaffenstützpunkt

Ein strategischer US-Bomber ist auf dem britischen Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford in Gloucestershire...

Allgemeines

Trump fordert „bedingungslose Kapitulation“ Irans

US-Präsident Donald Trump hat im anhaltenden Konflikt mit dem Iran eine „bedingungslose...

Allgemeines

Fast-Food-Marken liefern sich Social-Media-Schlagabtausch wegen McDonald’s-Video

Ein eigentlich harmloses Video von McDonald’s-CEO Chris Kempczinski hat in den sozialen...

Allgemeines

USA und Kanada nehmen Handelsgespräche wieder auf

Nach monatelanger Pause haben Kanada und die USA ihre Handelsgespräche wieder aufgenommen....