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Indiens Bioethanol-Offensive: Milliarden-Ersparnis, aber auch Sorgen

jorono (CC0), Pixabay
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Indien treibt seit Jahren eine ehrgeizige Biokraftstoffstrategie voran – mit sichtbaren Erfolgen. Die Beimischung von Ethanol zum Benzin hat dem Land nicht nur geholfen, die CO₂-Emissionen spürbar zu senken, sondern auch Milliarden an Devisenausgaben für Ölimporte einzusparen. Doch gleichzeitig wächst die Skepsis: Autofahrer fürchten Schäden an ihren Fahrzeugen, und Experten warnen vor Risiken für die Ernährungssicherheit.

Erfolg: Ziel früher erreicht

Noch im vergangenen Monat konnte die Regierung in Neu-Delhi einen Meilenstein verkünden: 20 Prozent Ethanol-Anteil im Benzin (E20) – fünf Jahre früher als ursprünglich geplant. Aus Sicht der Politik ist dies ein „Game Changer“ im Kampf gegen den Klimawandel und zur Reduzierung der Abhängigkeit von Erdölimporten.

Seit 2014 hat das Ethanolprogramm laut offiziellen Angaben:

  • 69,8 Millionen Tonnen CO₂ eingespart,

  • sowie 1,36 Billionen Rupien (rund 1,5 Milliarden Dollar) an Devisenreserven geschont.

Eine Studie des Thinktanks Council on Energy, Environment and Water (CEEW) zeigt jedoch, dass die Emissionen aus dem Straßenverkehr in Indien bis 2050 fast doppelt so hoch sein könnten wie heute. Für Experten ist daher klar: „Die Nachfrage nach Treibstoff steigt weiter – ohne Ethanol wird Indien seine Emissionsziele nicht erreichen“, sagt Sandeep Theng von der Indian Federation of Green Energy.

Kritik: Weniger Reichweite, mehr Verschleiß?

Trotzdem herrscht unter Autofahrern Skepsis. Denn viele Fahrzeuge auf indischen Straßen sind nicht E20-kompatibel.

  • Ethanol besitzt eine geringere Energiedichte als Benzin und ist zugleich aggressiver gegenüber bestimmten Materialien.

  • Das bedeutet: höherer Verbrauch und potenziell schnellerer Verschleiß von Motorteilen.

  • Autobesitzer berichten in sozialen Medien bereits über eine spürbar geringere Kilometerleistung.

„Honda setzt schon seit 2009 auf E20-kompatible Materialien“, sagt Hormazd Sorabjee, Chefredakteur von Autocar India. Doch für Millionen älterer Fahrzeuge gelte das nicht.

Auch die Versicherungsfrage ist ein Problem: Viele Standard-Policen decken Schäden durch die Nutzung von nicht E20-tauglichem Benzin nicht ab. Zusatzversicherungen sind zwar möglich, aber auch hier gibt es im Kleingedruckten oft Einschränkungen.

Regierung beschwichtigt

Das Petroleumministerium weist die Kritik zurück. In einem Beitrag auf X hieß es, die Sorgen seien „größtenteils unbegründet“.

  • Eine korrekte Motoreinstellung und E20-kompatible Materialien könnten den Mehrverbrauch reduzieren.

  • Ältere Fahrzeuge könnten mit dem Austausch bestimmter Teile relativ günstig nachgerüstet werden.

  • Der Aufwand sei „leicht während der regulären Wartung zu erledigen“.

Zwischen Klimaschutz und Alltagsproblemen

Damit steht Indien vor einem klassischen Zielkonflikt:

  • Auf der einen Seite stehen Milliarden-Einsparungen und Klimaschutz,

  • auf der anderen Seite Alltagsprobleme für Millionen Autofahrer und die Sorge, dass die verstärkte Nutzung von Zuckerrohr und Getreide für Ethanol langfristig auch die Lebensmittelpreise treiben könnte.

Indien bleibt somit ein Beispiel dafür, wie klimapolitische Erfolge gleichzeitig neue soziale und wirtschaftliche Herausforderungen nach sich ziehen können.

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