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Immobilieninvestment in Offenbach – Traumrendite oder Risiko? Eine kritische Einordnung des Projekts Geishornstraße

WOKANDAPIX (CC0), Pixabay
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Mit einem Zinssatz von 8,5 % p.a. bei endfälliger Tilgung und einer Laufzeit bis Mitte 2027 wirkt das Immobilienprojekt „Geishornstraße, Offenbach“ auf den ersten Blick attraktiv – insbesondere in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld für klassische Sparanlagen. Doch wie so oft bei renditeträchtigen Angeboten lohnt sich ein zweiter, genauerer Blick – vor allem im Hinblick auf das eingegangene Risiko.

Das Projekt im Überblick

In Offenbach, nahe Frankfurt am Main, soll auf einem rund 1.284 m² großen Grundstück ein modernes Mehrfamilienhaus mit 32 Wohneinheiten entstehen. Der Bau erfolgt in Massivbauweise, mit gehobenem Innenausbau, Tiefgarage und Balkonen. Die Makrolage in Offenbach wird als wachstumsstark und infrastrukturell gut erschlossen dargestellt – die Nähe zu Frankfurt ist zweifelsohne ein Standortvorteil.

Der Anbieter, die SEZEK 1. Projekt und Handels GmbH, tritt als Projektentwickler auf. Das geplante Volumen der Investition: 985.000 €. Anlegerinnen und Anleger können sich ab 250 Euro beteiligen.

Attraktive Zinsen – aber zu welchem Preis?

Mit 8,5 % jährlicher Verzinsung (sogar 9 % bei schneller Zeichnung) liegt das Angebot weit über klassischen Anleihen oder Immobilienfonds. Doch diese hohe Verzinsung ist kein Geschenk – sie ist der Preis für ein erhebliches Risiko, das Anleger mittragen.

Wie der gesetzlich vorgeschriebene Warnhinweis gemäß § 12 Abs. 2 Vermögensanlagengesetz richtig betont: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“

Das bedeutet: Im Fall wirtschaftlicher Schwierigkeiten des Projektträgers oder eines Scheiterns des Bauvorhabens können Investoren leer ausgehen. Es handelt sich hierbei nicht um ein gesichertes Darlehen – etwa durch Grundbucheinträge – sondern um eine nachrangige Forderung, die im Insolvenzfall erst nach anderen Gläubigern bedient wird.

Endfällige Tilgung: Risiko auf Zeit

Das Darlehen wird erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt – eine sogenannte endfällige Tilgung. Während der gesamten Projektlaufzeit erhalten Anleger lediglich die Zinsen, das eingesetzte Kapital bleibt gebunden. Sollte der Immobilienverkauf oder die Vermietung nach Fertigstellung nicht wie geplant verlaufen, kann es zu Liquiditätsproblemen kommen. Besonders kritisch ist diese Struktur, da sie keine regelmäßige Rückführung des Kapitals vorsieht – das Risiko kumuliert sich bis zum Schluss.

Wer ist der Anbieter?

Die SEZEK 1. Projekt und Handels GmbH ist als Projektentwickler in Erscheinung getreten. Über die wirtschaftliche Stabilität und Historie des Unternehmens wird in der Projektbeschreibung wenig gesagt. Für Anleger wäre eine transparente Offenlegung der Bilanzen, bisheriger Bauprojekte und Erfolgsquoten wünschenswert. In einem Markt mit vielen Neuentwicklungen und ambitionierten Bauzielen ist Vertrauen in die Durchführungsfähigkeit des Unternehmens ein wesentlicher Faktor.

Fazit: Chancenreich, aber nicht ohne Fallhöhe

Das Projekt „Geishornstraße, Offenbach“ kann für erfahrene Anleger mit Risikobereitschaft eine interessante Beimischung im Portfolio darstellen. Der Standort ist grundsätzlich attraktiv, die Baupläne solide, und die versprochene Verzinsung verlockend. Doch das Totalverlustrisiko ist real – und sollte nicht unterschätzt werden.

Gerade private Kleinanleger, die sich von hohen Zinsen blenden lassen, müssen verstehen: Es handelt sich hier nicht um eine Spareinlage, sondern um eine unternehmerische Beteiligung mit ungewisser Rückzahlung.

Wer investiert, sollte:

  • sich bewusst sein, dass das Kapital über die gesamte Laufzeit gebunden ist,
  • die Seriosität und Historie des Anbieters kritisch prüfen,
  • und nur Gelder investieren, deren Verlust man im schlimmsten Fall verkraften kann.

Transparenz, Risikobewusstsein und Diversifikation bleiben auch bei Immobilieninvestments oberstes Gebot.

 

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