Angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten infolge des Iran-Krieges hat die International Energy Agency (IEA) eine außergewöhnliche Maßnahme angekündigt. Die 32 Mitgliedsstaaten der Organisation wollen gemeinsam 400 Millionen Barrel Rohöl aus strategischen Reserven freigeben – mehr als bei jeder früheren koordinierten Aktion der Agentur.
Die Entscheidung wurde am Mittwoch in Paris bekannt gegeben. Ziel ist es, die durch den Konflikt ausgelösten Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten zu dämpfen und Versorgungssorgen entgegenzuwirken.
Märkte sollen stabilisiert werden
IEA-Chef Fatih Birol bezeichnete die aktuelle Situation auf dem Ölmarkt als „beispiellos“. Die Freigabe der großen Reserve sei deshalb notwendig, um ein klares Signal zu senden.
Die Ölmärkte seien global vernetzt, erklärte Birol. Entsprechend müsse auch die Reaktion auf schwere Störungen international koordiniert erfolgen.
Die strategischen Ölreserven der IEA-Mitglieder sind ein zentrales Instrument für Krisensituationen. Insgesamt verfügen die Mitgliedsstaaten über rund 1,2 Milliarden Barrel staatliche Notreserven sowie zusätzlich etwa 600 Millionen Barrel industrielle Vorräte.
Auch Österreich beteiligt sich
Auch Austria wird als Mitglied der IEA einen Teil seiner strategischen Ölreserven freigeben. Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner sprach von einem „klaren Signal an die Märkte“.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte, die österreichischen Vorräte seien genau für solche Krisen angelegt worden. Ähnlich äußerte sich auch die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die eine stabilisierende Wirkung auf die Preise erwartet. Germany plant nach eigenen Angaben die Freigabe von 19,5 Millionen Barrel.
Transportprobleme im Persischen Golf
Auslöser der Marktverwerfungen ist vor allem die Lage in der Strait of Hormuz, einer der wichtigsten Energie-Transportwege der Welt. Durch die Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel werden normalerweise fast 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert.
Infolge militärischer Spannungen und Angriffe auf Schiffe ist der Verkehr dort zuletzt stark eingeschränkt worden. Berichte über mögliche Seeminen in der Meerenge haben zusätzliche Sorgen um die Sicherheit internationaler Energielieferungen ausgelöst.
Die G7 kündigte deshalb an, den Schiffsverkehr in der Region künftig militärisch zu sichern. Kriegsschiffe sollen Tanker und Frachtschiffe eskortieren, um den Transport von Energie wieder zu gewährleisten.
USA begrüßen Maßnahme
Auch die United States unterstützen die Freigabe der Ölreserven. Innenminister Doug Burgum erklärte, strategische Vorräte seien genau für solche Krisen gedacht.
US-Präsident Donald Trump kündigte ebenfalls an, einen Teil der amerikanischen Ölreserven freizugeben, um den Preisdruck auf den Weltmärkten zu reduzieren.
Ölpreise steigen dennoch
Trotz der angekündigten Maßnahmen zogen die Ölpreise zunächst weiter an. Am Mittwochmorgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent Crude Oil rund 92 Dollar, mehr als fünf Prozent über dem Niveau des Vortages.
Analysten erwarten grundsätzlich eine beruhigende Wirkung der Reservefreigabe. Entscheidend werde jedoch sein, wie lange der Konflikt im Nahen Osten anhält.
Kriseninstrument wird selten eingesetzt
Seit der Gründung der IEA in den 1970er-Jahren wurde eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven nur fünfmal beschlossen. Dazu gehörten unter anderem:
- der Gulf War 1990/91
- die Folgen der Hurrikane Hurricane Katrina und Hurricane Rita im Jahr 2005
- der Ausfall libyscher Ölexporte 2011
- sowie die Energiekrise infolge des Russian invasion of Ukraine im Jahr 2022
Experten warnen jedoch davor, die Reserven zu schnell aufzubrauchen. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten die strategischen Vorräte noch entscheidend für die Versorgungssicherheit werden.
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