In Hessen startet ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt, das die Steuererklärung deutlich vereinfachen – oder sogar vollständig überflüssig machen – könnte. Ziel ist es, den Prozess so weit zu automatisieren, dass Steuerpflichtige keine eigene Steuererklärung mehr ausfüllen müssen.
Das Konzept: Das Finanzamt erstellt auf Basis bereits vorliegender Daten – etwa zu Lohn- und Gehaltszahlungen, Rentenbezügen, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen – eine vorausgefüllte Steuererklärung. Diese wird den Bürgerinnen und Bürgern direkt zugeschickt. Der Vorteil: Viele dieser Informationen liegen der Finanzverwaltung ohnehin schon durch Arbeitgebermeldungen, Rentenkassen und Versicherungen vor.
Laut dem Hessischen Finanzministerium soll das Verfahren sowohl für die Steuerpflichtigen als auch für die Finanzämter deutliche Erleichterungen bringen: weniger Aufwand, weniger Papier, weniger Fehler. Steuerzahler müssten die vom Amt erstellte Erklärung nur noch prüfen und – falls nötig – ergänzen oder korrigieren.
Der Testlauf startet zunächst mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Steuerpflichtiger im Zuständigkeitsbereich des Finanzamts Kassel. Dabei soll geprüft werden, wie gut die technischen Prozesse funktionieren, wie verständlich die vorausgefüllten Bescheide für die Bürger sind und wie hoch die Akzeptanz ist.
Langfristig könnte das Modell, so die Hoffnung der Verantwortlichen, bundesweit Schule machen. Allerdings ist die automatisierte Steuererklärung vorerst nur in einfach gelagerten Steuerfällen geplant – also bei Bürgern, deren Einkünfte und Ausgaben sich überwiegend aus standardisierten und dem Finanzamt bereits bekannten Daten zusammensetzen. Komplexere Fälle, etwa mit Einkünften aus selbstständiger Arbeit, Kapitalanlagen oder Vermietung, dürften weiterhin manuell erklärt werden müssen.
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