Es klingelt. Du gehst ran. Nichts. Kein Pieps. Kein „Hallo, wir wollen Ihnen was verkaufen“. Nur Schweigen. Früher nannte man das vielleicht Telefonstörung. Heute nennt man es: modernes digitales Katz-und-Maus-Spiel mit deiner Stimme als Beute.
Denn während du arglos in den Hörer fragst: „Wer ist denn da?“ oder „Ich hör nix!“, reibt sich am anderen Ende ein Algorithmus die digitalen Hände. Einmal „Hallo?“ reicht – und zack, wird aus deiner Stimme ein KI-Klon, der künftig deinen Freunden vorheult, er sei in Not und brauche ganz dringend Geld. Enkeltrick 2.0 – jetzt in Dolby Surround.
Das Beste? Dafür reichen wenige Sekunden Gequassel – so schnell wie ein Espresso läuft auch schon der Stimmen-Klonprozess. Kein Wunder, wenn sich der angebliche Sohn demnächst aus dem Ausland meldet – mit deiner eigenen Stimme, versteht sich. Man nennt das wohl Familienbande der besonderen Art.
Und ja, bislang sind solche Fälle selten – noch. Aber wer früh klont, klont doppelt. Die Technik schläft nicht, auch wenn der Anruf sich schlafend stellt.
Was also tun? Ganz einfach: Bei unbekannter Nummer nicht sprechen. Einfach mal den anderen schwitzen lassen – oder den Stecker ziehen. Und falls der Impuls doch stärker ist: Leg auf, blockiere die Nummer, sprich mit deiner Kaffeemaschine – aber bitte nicht mit dem Phantom am Hörer.
Wer auf Nummer sicher gehen will, legt sich innerhalb der Familie ein Codewort zu. Etwas Unvergessliches wie „Gurkensalat in Not“ oder „Die Schildkröte landet um Mitternacht“.
Denn eines ist klar: In der Zukunft klont man keine Schafe mehr. Sondern Omas, Onkel – und deine Stimme. Und die sagt dann vielleicht Dinge, die du nie gesagt hast. Zum Beispiel: „Überweis mir mal 10.000 Euro.“
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