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Gute Miene zum bösen Spiel? Merz und die Kunst der Selbstinszenierung

yobli (CC0), Pixabay
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Friedrich Merz hatte sich diese Woche sicher anders vorgestellt. Nach der vernichtenden Niederlage im Bundestag hätte man erwarten können, dass er zumindest einen Anflug von Selbstkritik zeigt – doch weit gefehlt. Stattdessen trat er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt auf, als sei nichts gewesen, scherzte, frotzelte und präsentierte sich als unbeugsamer Kämpfer gegen die Ampel, die AfD – und offenbar auch gegen die Realität.

„Ich habe der AfD nicht die Hand gereicht“ – aber freundlich gewunken?

Merz bemühte sich, sich von der AfD abzugrenzen – ohne dabei allzu energisch zu werden. Man habe einen Antrag eingebracht, der „nach Überzeugung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion der richtige Antrag war“, um Migration zu begrenzen. Wer dabei zustimme, sei zweitrangig. Die Frage, warum ein Gesetzesentwurf der CDU/CSU plötzlich die volle Unterstützung der AfD fand, schien ihn nicht weiter zu stören.

Immerhin war sich Merz nicht zu schade, eine kleine Stand-up-Nummer einzulegen. Besonders amüsiert zeigte er sich über die Empörung von SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich, der gewarnt hatte, mit diesem Vorgehen werde „das Tor zur Hölle geöffnet“. Merz’ schlagfertige Antwort? „Heieieiei, kann es nicht ein bisschen kleiner sein?“ – eine brillante Analyse der Lage.

Wenn es kracht, dann bitte mit Stil

Auch über die hitzigen Debatten im Bundestag zeigte sich Merz wenig beeindruckt. „Es hat geknallt“, stellte er lapidar fest – als wäre das ein Qualitätsmerkmal. Und dann ließ er das Publikum an einem ganz besonderen Erlebnis teilhaben: Er hatte alle Fraktionsvorsitzenden der Ampel in seinem Büro versammelt! Und was passierte? „Da war nur Gift.“ Eine erstaunliche Erkenntnis für jemanden, der erst Tage zuvor die politische Landschaft mit seinem eigenen Vorschlag ordentlich vergiftet hatte.

Jubel in Erfurt – doch was bleibt übrig?

Vor rund 700 Anhängern wurde Merz in Erfurt gefeiert, als hätte er gerade eine historische Schlacht gewonnen – dabei hatte er sie in Wahrheit verloren. Seine Argumentation: „Machen wir uns von der AfD abhängig, wenn wir unsere Anträge einbringen? Sollen wir Nein zu unseren eigenen Vorschlägen sagen, nur weil die AfD zustimmt?“ – eine Frage, die sich wohl kaum jemand gestellt hätte, wenn die CDU nicht gezielt ein Thema gesetzt hätte, bei dem sie genau mit dieser Zustimmung rechnen musste.

Während Merz noch seine eigene Unbeugsamkeit feierte, war die politische Realität längst dabei, ihn einzuholen. Sein Gesetz scheiterte, seine eigene Partei war gespalten, und Markus Söder dürfte sich ins Fäustchen lachen.

Vom Kanzlerkandidaten zum Risikofaktor?

Die große Frage lautet nun: Wird Merz zum Problem für die CDU? 12 Unionsabgeordnete enthielten sich – ein Signal, dass nicht alle bereit sind, seinen Kurs bedingungslos mitzugehen. Gleichzeitig wird der politische Schaden für die CDU immer deutlicher: Empörte Proteste in Erfurt, wütende Kritik aus der eigenen Partei und eine immer lauter werdende Diskussion darüber, ob Merz wirklich der richtige Kanzlerkandidat ist.

Merz mag in Erfurt gute Miene zum bösen Spiel gemacht haben – doch in Wahrheit dürfte diese Woche seine Position erheblich geschwächt haben. Und das Rennen um die Kanzlerkandidatur ist noch lange nicht vorbei.

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