Fische aus der Nord- und Ostsee könnten zur Gefahr auf dem Teller werden. Eine aktuelle Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt: Alle getesteten Meerestiere aus deutschen Küstenhäfen sind mit PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) belastet – manche Proben überschreiten die geltenden EU-Grenzwerte um das bis zu Neunfache.
🐟 PFAS in Hering, Scholle und Steinbutt
Untersucht wurden insgesamt 17 Proben verschiedener Fischarten aus deutschen Nord- und Ostseehäfen – darunter Hering, Steinbutt, Scholle und Krabben. Besonders häufig nachgewiesen wurde Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), eine der bekanntesten und gefährlichsten PFAS-Verbindungen.
Laut Greenpeace genügt bereits der Verzehr von 150 Gramm Steinbutt oder Krabben, um bei einem durchschnittlichen Erwachsenen bis zu 40 % der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegten Wochenhöchstmenge zu überschreiten.
Für Kinder sei die Belastung noch gefährlicher, da ihr Körpergewicht deutlich geringer sei.
🧪 Ewigkeitschemikalien – unsichtbar, aber überall
PFAS sind synthetisch hergestellte Industriechemikalien, die in wasser- und schmutzabweisender Kleidung, Antihaftpfannen, Kosmetika und sogar Lebensmittelverpackungen wie Pizzakartons verwendet werden. Sie gelten als extrem langlebig, bauen sich kaum in der Natur ab – und reichern sich im menschlichen Körper an.
Das macht sie zu einer unsichtbaren Bedrohung, die sich durch die gesamte Nahrungskette zieht.
🛑 Greenpeace fordert: PFAS-Verbot jetzt!
„PFAS sind überall – in unseren Meeren, in unseren Körpern, in unserem Essen“, warnt Greenpeace. Die Organisation fordert deshalb:
- ein komplettes Verbot aller PFAS-Verbindungen
- striktere Grenzwerte für Lebens- und Meerestiere
- die sofortige Umsetzung der überarbeiteten EU-Wasserrahmenrichtlinie
🇪🇺 EU reagiert – langsam
Im September einigten sich EU-Staaten und das Parlament auf eine Aktualisierung der Richtlinie zum Schutz von Oberflächengewässern. PFAS sollen künftig offiziell überwacht werden. Die neue Richtlinie muss jedoch noch final beschlossen werden.
Gleichzeitig bereitet die EU einen Gesetzesentwurf vor, um PFAS in Alltagsprodukten wie Kleidung oder Verpackungen ab 2026 zu verbieten. Ursprünglich war dieser Schritt für Ende 2025 geplant – doch die Verhandlungen mit der Industrie gestalten sich zäh.
🌊 Europas Gewässer in „kritischem Zustand“
Ein Bericht der EU-Kommission vom Februar kam zu einem ernüchternden Fazit: Flüsse, Seen und Bäche in Europa seien flächendeckend belastet – vor allem durch Quecksilber und langlebige Industriechemikalien wie PFAS.
📌 Fazit
Die Ergebnisse von Greenpeace sind ein Weckruf: Die Belastung unserer Meere ist kein abstraktes Umweltproblem – sie betrifft das, was wir täglich essen. Ohne konsequentes Handeln der Politik und einen klaren Kurs gegen die PFAS-Lobby könnte der Preis dafür unsere Gesundheit – und die unserer Kinder – sein.
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