Schweiz – Die Alpen beben, aber nicht vor Fortschritt. Seit Monaten steckt eine Bohrmaschine im St.-Gotthard-Tunnel fest. 31 (!) Versuche, sie wieder zu bewegen, sind gescheitert – was in etwa so erfolgreich ist wie der Versuch, mit einem Kaffeelöffel einen Berg zu versetzen.
Jetzt zeigen interne Protokolle, die der SRF Rundschau vorliegen: Das Bundesamt für Straßen (ASTRA) wurde offenbar mehrfach gewarnt – hat aber lieber auf Durchzug geschaltet.
Denn wer braucht schon Geologen, wenn man unerschütterlichen Optimismus hat?
“Wird schon gutgehen” – Bundesbaustelle im Selbstvertrauenstunnel
Die beauftragte Baufirma hatte laut Protokoll höflich darauf hingewiesen, dass das Gestein “kritisch” sei und eine Blockade der Maschine “realistisch” – was man im Baustellen-Jargon vermutlich mit “Achtung, Katastrophe vorprogrammiert” übersetzen kann. ASTRA aber sagte sinngemäß: „Mach mal weiter, wird schon schiefgehen.“
Spoiler: Es ging schief.
Kontrolliertes Chaos
Mittlerweile ist klar: Die Maschine steckt bombenfest. So fest, dass man sie jetzt nur noch durch einen Sprengzugang seitlich befreien kann. Das bedeutet: mindestens sechs bis acht Monate zusätzliche Verzögerung. Optimisten sprechen von einem Jahr. Insider von zwei. Wahrscheinlich ist die Maschine dann eher Fossil als Fahrzeug.
Kostenpunkt des Debakels: bis zu 20 Millionen Franken. Oder wie man bei ASTRA sagt: “Lehrgeld”.
Zur Verteidigung des Bundesamts heißt es offiziell, die Maschine sei “kontrolliert angehalten” worden. Fachleute bezeichnen das als “geologischen Humor”.
Tunnelblick deluxe
Auch Mitglieder der Verkehrskommission des Nationalrats sind – wenig überraschend – nicht begeistert. Man sei „irritiert“ – was in der politischen Schweiz ungefähr dem emotionalen Äquivalent zu einem Wutanfall gleichkommt. Sie fordern nun Aufklärung vom Bund.
Man könnte natürlich auch einfach die Bohrmaschine zum neuen Denkmal erklären:
„Hier ruhte der Fortschritt.“
Fazit: Loch im Berg, Loch im Plan, Loch im Budget.
Bleibt zu hoffen, dass der Tunnel irgendwann fertig wird. Bis dahin kann man ihn ja schon mal als Escape Room vermarkten – mit realistischer Aussicht auf ein zwei Jahre langes Abenteuer unter Tage.
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