Die US-Investmentbank Goldman Sachs will künftig bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten für ihren Vorstand auf Kriterien wie Race, Geschlecht oder sexuelle Orientierung verzichten. Damit reagiert das Institut auf Druck eines aktivistischen Kleinaktionärs.
Druck von Aktionärsseite
Das konservative National Legal and Policy Center (NLPC) hatte im vergangenen September einen Antrag eingereicht, mit dem Ziel, Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionskriterien (DEI) aus den Richtlinien für die Vorstandsbesetzung zu streichen.
Laut einem Bericht des The Wall Street Journal teilte Goldman Sachs der Organisation inzwischen mit, dass man die entsprechenden Vorgaben anpassen werde. Im Gegenzug zog das NLPC seinen Antrag zurück. Die formale Zustimmung des Verwaltungsrats wird noch in diesem Monat erwartet.
Was sich konkret ändert
Bislang berücksichtigte der zuständige Governance-Ausschuss bei der Bewertung geeigneter Kandidaten vier Hauptkriterien. Eines davon umfasste eine breite Definition von Diversität – darunter unterschiedliche Perspektiven, berufliche Hintergründe, Militärdienst sowie „weitere demografische Merkmale“.
Gerade diese Kategorie umfasste Berichten zufolge auch Aspekte wie ethnische Zugehörigkeit, Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung. Diese sollen nun gestrichen werden. Künftig soll Diversität enger gefasst oder zumindest nicht mehr explizit auf solche Merkmale bezogen werden.
Teil eines größeren Trends
Goldman steht mit diesem Schritt nicht allein. Das NLPC gab kürzlich bekannt, ähnliche Vereinbarungen mit American Express und John Deere getroffen zu haben. Insgesamt reichte die Organisation bei elf Fortune-500-Unternehmen Anträge gegen deren DEI-Programme ein.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Goldman eine eigene Richtlinie abgeschafft, die mehr Diversität in den Aufsichtsgremien von Unternehmen fördern sollte, die die Bank an die Börse bringt.
Politischer Rückenwind gegen DEI
Die Entwicklung spiegelt einen breiteren Kurswechsel in der US-Wirtschaft wider. Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus im Januar wächst der politische Druck auf Programme zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion – sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der Privatwirtschaft.
Noch vor Trumps Amtseinführung kündigte Meta das Ende seiner DEI-Programme an. Amazon sprach von einem „Abbau veralteter Programme“ zu Repräsentation und Inklusion.
Kurz nach Amtsantritt unterzeichnete Trump eine Verfügung, mit der Bundesbehörden angewiesen wurden, DEI-Maßnahmen zurückzufahren und entsprechende Praktiken auch bei Auftragnehmern zu prüfen.
Weitere Unternehmen folgten: Deloitte forderte Mitarbeitende mit Regierungsaufträgen auf, Pronomen aus E-Mail-Signaturen zu entfernen. Target reduzierte Teile seiner DEI-Initiativen. Alphabet, Mutterkonzern von Google, gab sein Ziel auf, mehr Menschen aus historisch unterrepräsentierten Gruppen einzustellen. Auch Barclays und Lego nahmen Anpassungen bei Diversitätszielen oder entsprechender Berichterstattung vor.
Zwischen Symbolpolitik und Strukturfrage
Befürworter sehen in dem Rückzug von DEI-Vorgaben eine Rückkehr zu „leistungsbezogenen“ Kriterien. Kritiker hingegen warnen, dass damit strukturelle Benachteiligungen ausgeblendet und mühsam erkämpfte Fortschritte zurückgedreht werden.
Die Entscheidung von Goldman Sachs dürfte daher nicht nur unternehmensintern Wirkung entfalten, sondern auch ein weiteres Signal in einer zunehmend politisierten Debatte um Vielfalt und Chancengleichheit in der Wirtschaft setzen.
Kommentar hinterlassen