Ein Wochenende in Las Vegas, ein Kartenspiel – und ein Gewinn, der selbst für einen Milliardär bemerkenswert ist: JB Pritzker, der Gouverneur des US-Bundesstaates Illinois, hat im vergangenen Jahr beim Blackjack-Spielen satte 1,4 Millionen US-Dollar gewonnen. Dies geht aus seiner aktuellen Steuererklärung hervor, die kürzlich veröffentlicht wurde.
Der 59-jährige Demokrat, Erbe des Hyatt-Hotel-Vermögens und laut Forbes mit rund 3,9 Milliarden US-Dollar einer der reichsten Politiker der USA, hatte den Gewinn während eines privaten Urlaubs mit seiner Frau und Freunden erzielt. Was für die meisten Menschen ein lebensverändernder Jackpot wäre, scheint für Pritzker kaum mehr als ein glücklicher Zufall gewesen zu sein – und doch sorgt das Ereignis für politisches Raunen.
💵 Vom Spieltisch ins Steuerformular
Der Gewinn stammt laut Angaben aus einem Casino in Las Vegas, wo Pritzker während eines Wochenendausflugs Blackjack spielte – ein Spiel, das zu gleichen Teilen Strategie, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Glück erfordert.
Bemerkenswert ist, dass der Gouverneur den Gewinn vollständig und transparent in seiner Steuererklärung angegeben hat – eine Geste, die in Zeiten wachsender Skepsis gegenüber wohlhabenden Politikern durchaus als vorbildlich gilt.
Allerdings löste gerade diese Offenlegung eine Welle von Reaktionen aus. Viele fragen sich, warum der Gouverneur überhaupt in einem Casino spielte, während er sich politisch für „Verantwortung, Gleichheit und nachhaltige Staatsfinanzen“ einsetzt.
„Es ist kein Verbrechen, aber es sendet ein seltsames Signal“, schrieb die Chicago Tribune. „Ein Multimilliardär, der beim Glücksspiel gewinnt – das passt schwer zu seinem Image als bodenständiger Demokrat.“
🤝 Spendenversprechen mit Verzögerung
Auf Nachfrage von CBS News, einem Partner der BBC, teilte Pritzkers Sprecher mit, der Gouverneur plane, den gesamten Gewinn an wohltätige Organisationen zu spenden. Doch wann genau dies geschehen soll, blieb unklar.
„Der Gouverneur wird den Betrag an gemeinnützige Zwecke weiterleiten“, hieß es in der Stellungnahme. „Er möchte damit Projekte unterstützen, die benachteiligten Gemeinden zugutekommen.“
Doch die Tatsache, dass die Spende bisher noch nicht erfolgt ist, sorgt für Kritik. Einige Medien werfen Pritzker vor, die Ankündigung als politisches Manöver zu nutzen – um sein soziales Profil zu schärfen, ohne sofort zu handeln.
🏛️ Ein Milliardär im Dienst der Mittelschicht?
Pritzker, der seit 2019 Gouverneur von Illinois ist, hat sich in seiner Amtszeit als progressiver Reformer positioniert. Er kämpft für höhere Mindestlöhne, Investitionen in Bildung und eine steuerliche Entlastung für die Mittelschicht.
Gleichzeitig steht er immer wieder in der Kritik, weil er selbst zu den reichsten Menschen der USA zählt. Seine politische Gegner werfen ihm regelmäßig vor, „vom Reichtum abgekoppelte Politik“ zu betreiben.
Der Casino-Gewinn bringt diese Widersprüche erneut ans Licht: Während viele Wähler mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen, gewinnt ihr Gouverneur beim Glücksspiel eine Summe, die für Normalverdiener unvorstellbar ist.
Politikberaterin Amanda Keegan erklärte gegenüber The Guardian:
„Es ist symbolisch – ein Politiker, der Glück im Spiel hat, aber politisch mit der Frage konfrontiert ist, ob er wirklich das Glück der kleinen Leute versteht.“
📰 Zwischen Humor und Kritik
In den sozialen Netzwerken sorgt der Fall für eine Mischung aus Spott und Bewunderung. Auf Plattformen wie X (vormals Twitter) kursieren Memes, die Pritzker als „den einzigen Politiker, der den Staatshaushalt durch Blackjack sanieren kann“ zeigen. Andere Nutzer witzeln, dass er „endlich bewiesen hat, dass man beim Glücksspiel tatsächlich gewinnen kann – wenn man schon reich genug ist“.
Doch es gibt auch ernste Stimmen: Kritiker befürchten, dass der Vorfall vom eigentlichen politischen Diskurs ablenken könnte. Statt über Bildungsreformen oder Steuergerechtigkeit zu sprechen, dominiere nun ein „Las-Vegas-Märchen“ die Schlagzeilen.
🎯 Ein Gewinn mit Symbolkraft
Ob beabsichtigt oder nicht – der Gewinn bringt Pritzker erneut ins Rampenlicht. Beobachter verweisen darauf, dass der Gouverneur immer wieder als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt wird, sollte US-Präsident Joe Biden nicht erneut antreten.
In diesem Kontext erscheint der Casino-Gewinn auch als PR-Herausforderung: Einerseits zeugt seine Offenheit von Transparenz, andererseits liefert sie Gegnern Angriffsfläche.
„Es ist ein Balanceakt zwischen Glaubwürdigkeit und Symbolik“, kommentierte der Politikwissenschaftler Robert Lentz von der Northwestern University. „Er wollte ehrlich sein – aber Ehrlichkeit ist in der Politik nicht immer das, was am besten wirkt.“
🎲 Fazit: Glücksfall oder politischer Fehltritt?
Für JB Pritzker bleibt der Gewinn eine Kuriosität zwischen persönlichem Glück und öffentlichem Risiko. Ob die versprochene Spende den kritischen Stimmen den Wind aus den Segeln nimmt, bleibt abzuwarten.
Eines steht jedoch fest: Kaum ein anderes Ereignis zeigt so deutlich, wie dünn der Grat ist zwischen menschlichem Zufall und politischer Wirkung. In Las Vegas hatte Pritzker zweifellos ein glückliches Händchen – die Frage ist nun, ob ihm das auch im politischen Spiel gelingt.
Kommentar hinterlassen