Die von den USA mit viel Pathos angekündigten Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine in Genf sind am Mittwoch nach exakt zwei Stunden beendet worden – vermutlich inklusive Kaffeepause. Beobachter sprechen von einem diplomatischen Sprint, der zumindest zeitlich neue Maßstäbe setzte.
Laut russischer Nachrichtenagentur TASS traf sich Chefunterhändler Wladimir Medinski anschließend noch zu einem weiteren zweistündigen Gespräch hinter verschlossenen Türen mit der ukrainischen Delegation. Worum es dabei ging, ist nicht bekannt – möglicherweise um die Frage, wo man sich „in naher Zukunft“ wieder trifft, um erneut zwei Stunden lang festzustellen, dass alles schwierig ist.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von „schwierigen, aber fortschreitenden“ Gesprächen. Fortschritte seien erzielt worden – wohin genau, blieb offen. Die Positionen lägen zwar weiterhin auseinander, aber immerhin habe man sich darauf verständigt, weiter miteinander zu reden. Ein diplomatischer Dauerbrenner.
Zuvor hatte Selenskyj Moskau eine Verzögerungstaktik vorgeworfen. Russland versuche, Gespräche in die Länge zu ziehen, die eigentlich schon fast abgeschlossen sein könnten – zumindest theoretisch. Gleichzeitig beklagte er „unverhältnismäßigen Druck“ aus Washington. Die USA drängen offenbar auf Tempo, während die Beteiligten noch klären, was überhaupt verhandelt wird.
Russlands Verhandlungsführer Medinski fasste die Lage knapp zusammen: „Schwierig, aber sachlich.“ Mehr wollte er nicht sagen – vermutlich, weil das auch schon alles war. Das nächste Treffen solle „in naher Zukunft“ stattfinden, was im diplomatischen Kalender bekanntlich alles zwischen morgen und irgendwann bedeutet.
US-Sondergesandter Steve Witkoff meldete auf X „bedeutende Fortschritte“. Welche das genau sind, bleibt Teil eines größeren Narrativs. Beide Seiten hätten vereinbart, ihre Regierungen zu informieren – eine Entscheidung, die gemeinhin als Minimalziel von Gesprächen gilt.
Inhaltlich bleibt alles beim Alten: Russland hält rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt, darunter die Krim und Teile des Donbas. Moskau will über Gebietsfragen sprechen, Kiew lehnt weitere Gebietsverluste kategorisch ab. Selenskyj brachte erneut ein mögliches Referendum ins Spiel – womöglich parallel zu einer Präsidentschaftswahl. Demokratie im Doppelpack.
Ein direktes Treffen mit Wladimir Putin wünscht sich der ukrainische Präsident ebenfalls. Der Kreml zeigt sich prinzipiell offen, betont aber, ein solches Treffen müsse gut vorbereitet sein – was erfahrungsgemäß Jahre dauern kann.
US-Präsident Donald Trump forderte die Ukraine zuletzt öffentlich auf, „besser schnell an den Tisch zu kommen“. Dass man dort bereits sitzt, scheint im Weißen Haus als Detailfrage zu gelten.
Fazit des Genfer Treffens: Man hat gesprochen. Man wird wieder sprechen. Und bis dahin bleibt der Weltfrieden vermutlich im Hotel Intercontinental eingecheckt – mit offenem Abreisedatum.
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