Im Januar 2023 fand in Zürich eine geheime Konferenz statt. Handys mussten ausgeschaltet werden, doch trotzdem gelangte ein Mitschnitt an die Öffentlichkeit. Das Thema: Gold als krisenfeste Geldanlage – mit dem Versprechen auf immense Gewinne. Die Swissgold Treuhand AG lockte Investoren mit traumhaften Renditen und präsentierte sich als Experte im Goldhandel. Heute ist das Unternehmen bankrott, und 84 Millionen Schweizer Franken sind spurlos verschwunden.
Das große Versprechen – und der tiefe Fall
Bei der Konferenz wurden Anleger mit der Angst vor Wirtschaftskrisen und der Sicherheit von Goldinvestments überzeugt. Es wurden bis zu 10 % Rendite im ersten Jahr versprochen. Das Unternehmen stand sogar offiziell im Schweizer Handelsregister und war Sponsor von Events wie dem Filmfestival in Monte Carlo. Doch hinter der glänzenden Fassade verbargen sich zweifelhafte Strukturen.
Heute befindet sich die Swissgold Treuhand in Liquidation. Die angeblich größte Goldraffinerie der Schweiz hatte in Wirklichkeit nie eine behördliche Genehmigung. Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit bestätigt: Keine Lizenz als Schmelzbetrieb, keine Erlaubnis als Goldhändler.
Investoren ohne Gold, ohne Geld, ohne Antworten
Tausende Anleger aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich hatten hohe Summen investiert, um physisches Gold zu erwerben. Doch das Gold, das angeblich in sicheren Tresoren lagern sollte, ist unauffindbar. Anwälte wie Kerstin Bonchev vertreten zahlreiche Betroffene, die nun vor dem finanziellen Ruin stehen.
Das Netzwerk hinter dem Skandal
Laut Insolvenzakte taucht immer wieder der Name Claudio de Giorgi auf. Er sollte Gold aus der Zentralafrikanischen Republik beschaffen, wird nun aber beschuldigt, Belege über Goldbestände gefälscht zu haben. Seine kriminelle Vergangenheit ist lang:
🔹 2010: Verurteilung in der Schweiz zu drei Jahren Haft wegen Betrugs an 800 Anlegern.
🔹 2002: Vier Jahre Haft in Deutschland wegen eines Finanzbetrugs mit 400 geschädigten Investoren.
🔹 2018: Sechs Jahre Gefängnis in Italien wegen fiktiver Diamantminen.
Doch De Giorgi war nicht allein. Andere führende Personen des Unternehmens hatten enge Verbindungen zu ihm, darunter Renato Videtta und Martin Grossmann, die heute selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen in der Schweiz sind.
Millionen verschwunden – Spur führt nach Dubai
Während Investoren ihr Geld nicht wiedersehen, tauchte in Dubai eine brisante Spur auf: 35 Millionen Euro wurden auf ein Konto bei der Masri Bank transferiert. Ein Gericht in Dubai ordnete an, das Geld zurückzuzahlen – doch die Konten waren bereits leer. Insgesamt blieben nur 74.000 Euro übrig.
Schweizer Behörden reagieren erst nach dem Skandal
Trotz mehrfacher Warnungen handelten die Schweizer Finanzbehörden erst nach dem Konkurs der Swissgold Treuhand im Juni 2024. Schon 2022 gab es Berichte über dubiose Geschäftspraktiken, doch weder Aufsichtsbehörden noch Banken schritten rechtzeitig ein.
Der Goldrausch geht weiter – das Risiko bleibt
Während Claudio de Giorgi mittlerweile in Italien erneut inhaftiert ist, bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: Wo sind die 89 Millionen Euro geblieben? Die Geschichte zeigt, dass der Traum vom sicheren Goldinvestment schnell zum Albtraum werden kann. Und trotz aller Skandale – der Goldmarkt boomt weiter.
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