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Geheime CIA-Programme, Attentatspläne und LSD-Experimente: Wie ein unabhängiges Archiv US-Staatsgeheimnisse ans Licht bringt

isizawa (CC0), Pixabay
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Geheime Gedankenkontrollprogramme der CIA, Überwachungsaktionen gegen Martin Luther King und Muhammad Ali oder staatliche Handbücher für politische Attentate – was wie Stoff aus Spionageromanen klingt, gehört zur täglichen Arbeit des National Security Archive. Die unabhängige Forschungs- und Archivgruppe feiert in diesen Tagen ihr 40-jähriges Bestehen.

Das Archiv versteht sich selbst als Zusammenschluss von „aktivistischen Archivaren“. Es ist keine staatliche Einrichtung, sondern sammelt freigegebene Regierungsdokumente, die vor allem über das US-Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) erstritten wurden. Seit seiner Gründung 1985 hat das Archiv einige der dunkelsten Kapitel der US-Außen- und Sicherheitspolitik dokumentiert – von verdeckten Operationen in Lateinamerika bis zu Folterprogrammen nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

„Diese Dokumente zeigen, was im Namen des amerikanischen Volkes getan wurde – ohne dessen Wissen“, sagt der langjährige Analyst Peter Kornbluh. Sie seien die „Währung der Geschichte“ und oft die einzige verlässliche Quelle darüber, was in anderen Ländern tatsächlich geschehen sei.

Besonders bekannt wurde das Archiv durch die Veröffentlichung der sogenannten „Family Jewels“ – einer 702 Seiten starken Sammlung interner CIA-Akten. Darin finden sich Hinweise auf Gedankenkontrollversuche mit Drogen wie LSD an ahnungslosen US-Bürgern, Attentatspläne gegen Fidel Castro sowie die Verwicklung der CIA in die Ermordung des dominikanischen Diktators Rafael Trujillo. Selbst die CIA räumte später ein, viele der Vorwürfe seien „im Kern zutreffend“.

Die Arbeit des Archivs gilt vielen Historikern und Juristen als wichtiger Kontrollmechanismus gegenüber staatlicher Macht. Ohne diese Gruppe, so Autoren und Experten, könnte die Regierung öffentliche Narrative deutlich stärker steuern – besonders in Zeiten, in denen Geheimhaltung wieder an Bedeutung gewinnt.

Zwar hat Präsident Donald Trump zuletzt die Freigabe einiger prominenter Akten angeordnet, etwa zu den Attentaten auf John F. Kennedy, Robert F. Kennedy und Martin Luther King. Doch Fachleute betonen, dass viele der aufschlussreichsten Dokumente ausschließlich durch jahrelange Anfragen, Klagen und akribische Recherche des National Security Archive ans Licht kamen.

Die Archivare haben in vier Jahrzehnten zehntausende FOIA-Anträge gestellt und dutzende Prozesse geführt. Ihr Ziel bleibt unverändert: eine informierte Öffentlichkeit. Oder, wie Kornbluh es formuliert: die Stärkung eines Grundpfeilers der Demokratie – des Wissens der Bürger darüber, was ihre Regierung wirklich tut.

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