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Angesichts der sich dramatisch verschärfenden humanitären Krise im Gazastreifen haben Deutschland und Spanien am Montag Luftbrücken für Nahrungsmittel- und Medikamentenhilfe angekündigt. Doch selbst die beteiligten Regierungen räumen ein: Es ist nicht genug.

„Wir wissen, dass dies nur ein kleiner Beitrag sein kann, aber es ist ein Beitrag, den wir leisten wollen“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin. Verteidigungsminister Boris Pistorius soll die Koordination mit Frankreich und Großbritannien übernehmen. Beide Länder haben laut Merz ihre Bereitschaft signalisiert, Hilfsgüter per Lufttransport nach Gaza zu bringen.

Auch Spanien kündigte Unterstützung an: In Zusammenarbeit mit Jordanien plant das Außenministerium in Madrid mehrere Airdrops für etwa 5.000 Menschen – „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, wie Außenminister José Manuel Albares gegenüber CNN erklärte.

„Kein Zugang zu Landwegen“

Albares forderte eine „dauerhafte, ungehinderte Lieferung über Land“, koordiniert durch die Vereinten Nationen. Die Luftabwürfe seien „nicht der Weg, den wir wollen“. Die internationale Gemeinschaft solle geschlossen Druck auf Israel ausüben, den Zugang für humanitäre Hilfe zu erleichtern.

Der israelische Regierungschef erklärte am Montag, man arbeite mit internationalen Organisationen zusammen, um die Versorgung sicherzustellen. Täglich sollen zwischen 10 und 20 Uhr militärische Pausen in dicht besiedelten Gebieten gelten. Hilfskonvois erhalten laut IDF „sichere Routen“ von 6 bis 23 Uhr. Unabhängige UN-Hilfsorganisationen widersprechen: Der Zugang sei weiterhin hochgradig beschränkt und die Liefermengen unzureichend.

Hungertod eines Babys erschüttert

Der Tod der fünf Monate alten Zeinab Abu Halib, die laut der Organisation Medical Aid for Palestinians an Unterernährung starb, bewegt die Öffentlichkeit. „Wie viele Kinder wie Zeinab müssen noch sterben, bis die Welt aufwacht?“, fragte ihre Mutter Israa gegenüber CNN. Die junge Frau hatte vergeblich versucht, mit ihrer Tochter ein Krankenhaus zu erreichen – es gab kein Transportmittel, kein Wasser, keine Nahrung.

Ärzte ohne Grenzen bestätigte am Montag, dass mehr als ein Drittel der schwangeren und stillenden Frauen in Gaza unter schwerer Mangelernährung leiden. „Die Hilfe, die derzeit eintrifft, ist absolut unzureichend“, sagte Caroline Willemen, Koordinatorin der Organisation in Gaza.

Politischer Druck steigt – auch aus Israel

Israels Oppositionsführer Yair Lapid warnte eindringlich: „Israel muss sicherstellen, dass es keine Hungersnot in Gaza gibt – aus moralischen Gründen, aber auch, um Sanktionen zu vermeiden.“ Er forderte einen geordneten Rückzug des Militärs und eine Regierungsführung in Gaza durch eine Koalition moderater arabischer Staaten unter ägyptischer Führung.

Auch in Europa mehren sich kritische Stimmen. Die Niederlande sprachen sich dafür aus, Israel zumindest teilweise vom Forschungsprogramm „Horizon Europe“ auszuschließen, sollten keine Fortschritte beim Zugang humanitärer Hilfe erzielt werden.

Trump kündigt „Food Centers“ an – und widerspricht Netanyahu

US-Präsident Donald Trump kündigte am Montag in Schottland an, dass die USA gemeinsam mit Verbündeten „Food Centers“ in Gaza einrichten werden. Dabei widersprach er direkt Premierminister Netanyahu: „Wenn ich die Bilder von den Kindern sehe – das ist echter Hunger. Man kann das nicht fälschen“, sagte Trump.

Zugleich gestand er ein, dass die Verteilung der Hilfe äußerst kompliziert sei. Schuld seien „Linien“, errichtet „von wem auch immer“ – womöglich Hamas, so Trump.

Hamas zieht sich aus Verhandlungen zurück

Unterdessen teilte ein hochrangiger Vertreter von Hamas mit, die Gruppe wolle nach dem Rückzug der USA und Israels aus den Verhandlungen in Doha keine weiteren Zugeständnisse machen. Die geplante Freilassung israelischer Geiseln werde nun über einen längeren Zeitraum gestreckt.

Fazit: Diplomatie am Limit – Leid vor Ort wächst

Die humanitäre Lage in Gaza bleibt katastrophal. Internationale Organisationen sprechen von einer bevorstehenden Hungersnot, während der politische Prozess stockt. Europäische Länder versuchen, mit Luftbrücken Hilfe zu leisten – ein Symbol der Hilflosigkeit in einem Konflikt, dessen Lösung weiter in weiter Ferne liegt.

 

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