Startseite Allgemeines Gabes erstickt – aber Hauptsache, der Phosphat-Export brummt
Allgemeines

Gabes erstickt – aber Hauptsache, der Phosphat-Export brummt

FUHMariaM (CC0), Pixabay
Teilen

Willkommen im tunesischen Küstenparadies Gabes: Wo einst Palmen rauschten und Touristen Postkarten schrieben, fließt heute täglich giftiger Schlamm ins Meer – natürlich ganz „nachhaltig“, versteht sich. Der Geruch? Eine charmante Mischung aus Ammoniak, Schwefel und politischem Versagen.

Seit Jahrzehnten produziert die staatliche Chemiefabrik GCT hier Düngemittel – und gleich dazu ein bisschen Krebs, Atemnot und Umweltzerstörung gratis. Die lokale Bevölkerung hat jetzt, man glaubt es kaum, die Nase voll. Anfang Oktober stürmten Bewohner die Anlage – leider nicht, um ein Selfie zu machen, sondern weil ihre Kinder nach Schulbesuchen um Luft rangen.

Doch keine Sorge: Das Militär schützt seither die Fabrik. Schließlich muss irgendwer die Rohstoffe sichern, die Tunesien so dringend braucht, um den Export zu retten – notfalls auf Kosten der eigenen Bürger. Immerhin: Präsident Saied zeigt sich empört – natürlich nicht über die laufende Umweltkatastrophe, sondern über die „kriminellen Entscheidungen“ der Vorgängerregierung. Bravo, Schuldverlagerung: Check.

2017 versprach man noch vollmundig neue, moderne Anlagen. Heute kann man das Versprechen in etwa dort finden, wo auch die Umweltauflagen lagern: auf dem Meeresboden, unter Tonnen von Phosphorgips, der sogar radioaktive Stoffe enthalten kann. Ideal für den Ozean. Und für Tourismus mit Glow-in-the-dark-Effekt.

Aktuell steht immerhin ein Gerichtstermin zur möglichen Schließung an – so ungefähr dann, wenn auch die Sahara sich wieder in eine Blumenwiese verwandelt. Inzwischen organisiert die Initiative „Stop Pollution“ Massendemonstrationen. Ihr Slogan: „Gabes will leben.“ Wie unverschämt!

Und was macht die Regierung? Die kündigt nicht etwa ein Produktionsende an – nein, sie plant mehr Arbeiter einzustellen. Weil nichts besser auf Atemnot und Krebsfälle reagiert als: „Jetzt erst recht!“

Derweil prüft eine „Ministerkommission“ die Lage – wahrscheinlich vom klimatisierten Büro in Tunis aus, weit weg vom Gestank und den vergifteten Stränden. Und der Präsident? Der stellt klar: Produktion ja, Stillstand nein. Denn Phosphat ist schließlich die goldene Gans der Exportwirtschaft – auch wenn sie etwas… giftig ist.

Fazit: Gabes erstickt. Aber hey – die Exportzahlen sehen super aus. Und wer braucht schon saubere Luft, wenn man Devsen zählen kann?

 

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Hyatt-Aufsichtsratschef tritt wegen Verbindungen zu Jeffrey Epstein zurück

Der milliardenschwere Unternehmer Thomas Pritzker ist als Vorsitzender der Hotelkette Hyatt zurückgetreten....

Allgemeines

Wie ein Detail an der Schlafzimmerwand ein missbrauchtes Mädchen rettete

Über Jahre hinweg tauchten im Darknet verstörende Bilder eines missbrauchten Mädchens auf....

Allgemeines

EU nimmt Elon Musks X ins Visier – Grok hat wohl etwas zu viel Fantasie

Jetzt wird’s offiziell ungemütlich für Elon Musks Lieblingsspielzeug: Europas oberste Datenschützer haben...

Allgemeines

Jesse Jackson ist tot – Ein Leben für Gerechtigkeit und Hoffnung

Mit dem Tod von Reverend Jesse Louis Jackson verliert Amerika eine seiner...