Nach den verheerenden Überschwemmungen am Guadalupe River, bei denen am 4. Juli mindestens 135 Menschen ums Leben kamen, erleben die betroffenen Regionen nicht nur Zerstörung und Trauer, sondern auch bemerkenswerte Solidarität. Zahlreiche Freiwillige und eine eigens gegründete Facebook-Gruppe helfen den Überlebenden, persönliche Gegenstände wiederzufinden – von Kinderspielzeug über Familienfotos bis hin zu jahrzehntealten Erbstücken.
Aus Trümmern wird Erinnerung: „Found on the Guadalupe River“
Die Initiative „Found on the Guadalupe River“ wurde von Dondi Voigt Persyn und ihrer langjährigen Freundin DeAnna Kaye Lindsay ins Leben gerufen. Was als privates Engagement begann, entwickelte sich rasch zu einer Bewegung mit über 47.000 Mitgliedern. Die Gruppe vernetzt Helfer und Betroffene, dokumentiert Fundstücke und unterstützt bei der Rückgabe.
Persyn begann mit dem Sammeln persönlicher Gegenstände, nachdem sie die professionellen Rettungskräfte bei ihrer Arbeit nicht stören wollte. Schnell wurde klar, dass viele der scheinbar belanglosen Objekte großen emotionalen Wert für die Betroffenen haben.
Herzstücke und Familiengeschichte
Ein Beispiel ist die Familie Deupree: Ihre Großmutter Penny musste zusammen mit acht weiteren Familienmitgliedern vom Dach ihres Hauses gerettet werden. Während die Garage mit vielen Erinnerungsstücken weggespült wurde, konnten dank der Facebook-Gruppe u.a. ein altes Taschenuhr-Erbstück und ein Porträt der Schriftstellerin Frances Hodgson Burnett („Der geheime Garten“) gefunden und zurückgegeben werden.
Auch der Fall eines alten Ruderblatts aus dem Jahr 1962 – gefunden vom Helfer Andrew Diggs – zeigt die emotionale Tiefe der Suchaktion. Das Paddel gehörte Tom Schulze, der es einst seiner Frau bei einem Uni-Formalball schenkte. Für ihn wurde das wiedergefundene Objekt zu einem „Lichtblick in einer Zeit des Schmerzes“.
Zwischen Trauer und Dankbarkeit
Für viele Beteiligte ist die Rückgabe der Fundstücke mehr als nur ein logistischer Akt: Sie stellt eine Verbindung zur Vergangenheit und zu den verlorenen Lebenswelten her. So etwa bei der Familie Kerr, deren langjähriges Ferienhaus „Kerplunk“ vollständig zerstört wurde. Der Fund alter Familienfotos wurde als Trost empfunden, auch wenn die Erleichterung mit Schuldgefühlen angesichts der vielen Todesopfer einhergeht.
Ein Symbol für Zusammenhalt
Was bleibt, ist ein berührendes Beispiel für menschliche Wärme, Empathie und Gemeinschaftssinn inmitten einer Naturkatastrophe. Die freiwilligen Helfer beweisen, dass aus Schlamm und Trümmern auch Hoffnung wachsen kann – getragen von der einfachen Überzeugung: „Was jemandem wichtig war, verdient es, zurückgegeben zu werden.“
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