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Freispruch im Mordfall Daphne Caruana Galizia: Jury entlastet Unternehmer Yorgen Fenech

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Fast neun Jahre nach dem Mord an der maltesischen Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia hat der Fall eine überraschende Wendung genommen. Der Geschäftsmann Yorgen Fenech ist vom Vorwurf freigesprochen worden, Drahtzieher des tödlichen Autobombenanschlags gewesen zu sein.

Eine Jury in Valletta sprach den 44-Jährigen sowohl vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord als auch von dem der kriminellen Verschwörung frei. Das Votum fiel mit acht zu eins deutlich aus.

Damit endet einer der längsten Mordprozesse in der Geschichte Maltas – zumindest für Fenech.

Journalistin 2017 mit Autobombe getötet

Daphne Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in der Nähe ihres Hauses durch eine Autobombe getötet worden. Die 53-Jährige gehörte zu den bekanntesten Investigativjournalistinnen Maltas und hatte intensiv über Korruption, politische Verflechtungen und wirtschaftliche Interessen recherchiert.

Ihr Tod erschütterte den Inselstaat weit über den eigentlichen Mordfall hinaus.

Drei Männer, die als Auftragsmörder an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, bekannten sich bereits vor Jahren schuldig und verbüßen Haftstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer wurden wegen der Lieferung der Bombe verurteilt und erhielten lebenslange Haftstrafen.

Die entscheidende Frage blieb jedoch lange offen: Wer hatte den Mord in Auftrag gegeben?

Fenech geriet 2019 ins Zentrum der Ermittlungen

Yorgen Fenech stammt aus einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien Maltas und galt als einer der wohlhabendsten Männer des Landes.

Er war Direktor eines Kraftwerkskonsortiums, zu dem Caruana Galizia vor ihrem Tod recherchiert hatte. Diese Verbindung rückte ihn nach dem Anschlag zunehmend in den Fokus der Ermittler.

Im November 2019 wurde Fenech festgenommen, als er mit seiner Jacht einen Hafen in St. Julian’s verlassen wollte.

Seine Festnahme entwickelte sich zu einem politischen Erdbeben.

Kronzeuge belastete Fenech schwer

Eine zentrale Rolle im Verfahren spielte Melvin Theuma, der nach eigener Aussage als Vermittler zwischen den Auftragsmördern und dem Auftraggeber fungiert hatte.

Theuma erklärte, Fenech habe ihm 150.000 Euro für die Organisation des Mordes gegeben.

Zur Untermauerung seiner Aussagen präsentierte die Anklage Aufzeichnungen und Textnachrichten, in denen Theuma und Fenech über die mutmaßlichen Täter sowie über die Mordermittlungen gesprochen haben sollen.

Theuma erhielt für seine Aussage eine Begnadigung.

Für die Jury reichten die vorgelegten Beweise am Ende jedoch nicht aus, um Fenech der ihm vorgeworfenen Taten schuldig zu sprechen.

Fenech räumte Wissen über Mordpläne ein

Fenech hatte bestritten, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Er räumte allerdings ein, von entsprechenden Plänen gewusst zu haben. Gleichzeitig beschuldigte er seinen früheren Freund Keith Schembri, der eigentliche Drahtzieher gewesen zu sein.

Schembri war damals Stabschef des damaligen maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat.

Fenech behauptete, Schembri habe versucht, ihm den Mord anzulasten.

Mordfall brachte Maltas Regierung ins Wanken

Die Ermittlungen gegen Fenech und der Verdacht möglicher Verbindungen in höchste Regierungskreise führten Ende 2019 zu massiven Protesten auf Malta.

Der öffentliche Druck wurde schließlich so groß, dass Ministerpräsident Joseph Muscat seinen Rücktritt ankündigte. Im Januar 2020 gab er sein Amt auf.

Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung kam später zu dem Ergebnis, dass staatliche Strukturen ein „Klima der Straflosigkeit“ geschaffen hätten, in dem diejenigen handeln konnten, die Caruana Galizia zum Schweigen bringen wollten.

Der Mord wurde damit längst zu mehr als einem Kriminalfall. Er entwickelte sich zu einer grundsätzlichen Debatte über Macht, Korruption, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit auf Malta.

Familie reagiert enttäuscht auf Freispruch

Die Familie von Daphne Caruana Galizia zeigte sich nach der Entscheidung tief enttäuscht.

Der Freispruch verwehre der getöteten Journalistin die Gerechtigkeit, die sie verdient habe, erklärte die Familie.

Der Tag hätte eigentlich Daphne gehören sollen. Stattdessen seien viele der institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglicht hätten, noch immer nicht vollständig aufgearbeitet.

Ein Urteil – aber viele Fragen bleiben

Juristisch ist die Lage zunächst eindeutig: Yorgen Fenech wurde von der Jury freigesprochen.

Politisch und gesellschaftlich dürfte der Fall damit jedoch kaum beendet sein.

Denn während mehrere unmittelbar an dem Anschlag beteiligte Männer bereits verurteilt wurden, bleibt nach dem Freispruch die zentrale Frage erneut offen, die Malta seit 2017 beschäftigt:

Wer gab letztlich den Auftrag, Daphne Caruana Galizia zu töten?

Fast neun Jahre nach dem Bombenanschlag ist der Mord juristisch in zahlreichen Einzelheiten aufgearbeitet – doch ausgerechnet die Frage nach dem möglichen Drahtzieher bleibt weiter im Raum.

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