Indonesien plant, mautpflichtige Schnellstraßen im ganzen Land als Notlandebahnen für Kampfjets zu nutzen – und schafft sich damit gewissermaßen ein Netz aus kostengünstigen, über das Archipel verteilten „Flugzeugträgern“.
Luftwaffenchef Marschall Tonny Harjono erklärte, langfristig solle jede der 38 Provinzen mindestens einen Autobahnabschnitt erhalten, der im Ernstfall als Start- und Landebahn dient. Einen Zeitplan nannte er nicht.
Bei einer Demonstration in der Provinz Lampung auf Sumatra setzten ein F‑16‑Kampfjet und ein Super‑Tucano‑Erdkampfflugzeug erfolgreich auf einer Schnellstraße auf und starteten wieder. Vizeverteidigungsminister Donny Ermawan Taufanto sprach von einem „wichtigen Meilenstein“ für die nationale Verteidigungsstrategie.
Der Ansatz ist international nicht neu: Auch die USA, Finnland oder Schweden nutzen Straßenabschnitte für militärische Übungen. Für ein Land wie Indonesien, das sich über mehr als 6.000 bewohnte Inseln erstreckt, ist die Idee jedoch besonders attraktiv. Ein Flugzeugträger wäre extrem teuer – und ein einzelnes Schiff wäre im Ernstfall ein leichtes Ziel.
„Ein Flugzeugträger ist kein kosteneffizientes System“, sagt Collin Koh vom S. Rajaratnam School of International Studies in Singapur. Ein Netz aus Straßenlandebahnen sei strategisch sinnvoller und robuster: Fällt eine aus, bleiben viele Alternativen.
Zudem können auf Straßen mehr Flugzeugtypen operieren als auf einem Trägerdeck. Die in Lampung eingesetzten Maschinen – F‑16 und Super Tucano – wären für Trägerbetrieb ohnehin ungeeignet.
Geplant sind jeweils rund 3.000 Meter lange Abschnitte, auf denen Militärjets starten und landen können. Die Herausforderung: Autobahnen sind mit etwa 24 Metern deutlich schmaler als klassische Startbahnen. „Das ist riskant, aber unsere Piloten sind dafür ausgebildet“, sagte Donny laut der staatlichen Nachrichtenagentur Antara.
Die Luftwaffe betont, dass die Straßen weiterhin primär dem zivilen Verkehr dienen sollen. Die zusätzliche militärische Nutzung soll lediglich die Einsatzbereitschaft erhöhen – ohne politische Signale an andere Staaten zu senden, auch wenn Indonesien immer wieder Streitigkeiten mit China im Südchinesischen Meer hat.
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