Frankreichs milliardenschwere Mineralwasserindustrie steht im Zentrum eines wachsenden Skandals. Im Fokus: Die weltbekannte Marke Perrier. Der Vorwurf: Illegale Aufbereitungsmethoden, die im Widerspruch zu den strengen EU-Vorgaben für „natürliches Mineralwasser“ stehen.
Illegale Filtertechnik gegen Keime
Eine gemeinsame Recherche der Tageszeitung Le Monde und von Radio France brachte vor rund einem Jahr ans Licht, dass mindestens ein Drittel des in Frankreich verkauften Mineralwassers unerlaubt behandelt wurde. Zum Einsatz kamen unter anderem:
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UV-Bestrahlung,
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Aktivkohlefilter,
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ultrafeine Mikrosiebe, die Bakterien herausfiltern.
Diese Methoden sind im Prinzip gesundheitlich unbedenklich – das Wasser ist weiterhin trinkbar. Doch nach EU-Recht gilt: Natürliches Mineralwasser darf vom Austritt an der Quelle bis zur Abfüllung nicht verändert werden. Genau dieses „Unberührtsein“ ist der Kern des Qualitätsversprechens – und rechtfertigt den hohen Preis gegenüber Leitungswasser.
Klimawandel als Auslöser?
Brancheninsider und Wissenschaftler vermuten, dass jahrelange Trockenperioden und der Klimawandel die Wasserqualität beeinträchtigt haben. Dadurch seien Produzenten unter Druck geraten, um die Reinheit ihrer Marken zu gewährleisten.
Hydrologin Emma Haziza warnt: „Das Geschäftsmodell der großen Hersteller hat lange funktioniert, ist aber in Zeiten globaler Klimaveränderungen nicht nachhaltig. Wenn große Marken das Gefühl haben, ihr Wasser behandeln zu müssen, wissen sie, dass es ein Qualitätsproblem gibt.“
Vorwurf: Industrie und Staat unter einer Decke
Journalist Stéphane Mandard, der für Le Monde recherchierte, spricht von einem „Wasser-Gate“ – einer Mischung aus Industriebetrug und staatlicher Mitverantwortung.
Besonders brisant: In den kommenden Monaten wird eine Entscheidung im Fall Perrier erwartet. Kritiker sprechen bereits von einem „Damoklesschwert“, das über der Marke hängt.
Mehr als nur Perrier betroffen
Neben Perrier sollen auch andere bekannte Marken wie Evian, Vichy, Vittel, Contrex, Cristaline, Yorre und Hépar von den Ermittlungen betroffen sein. Alle profitieren bislang vom Image unberührter Quellen, reiner Mineralien und gesunder Natur – ein Bild, das nun zu bröckeln droht.
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