Die verheerende Brandkatastrophe in der Schweizer Alpenregion Crans-Montana hat über die Landesgrenzen hinaus Entsetzen ausgelöst. In der Silvesternacht kamen bei einem Feuer in der Bar Le Constellation mindestens 40 Menschen ums Leben. Auch in Deutschland verfolgt man mit Bestürzung die Entwicklungen rund um das Unglück – zumal sich nun immer mehr Hinweise auf schwerwiegende Versäumnisse in Bezug auf Sicherheit und Kontrollen mehren.
Auslöser offenbar Sprühkerzen in Bar
Wie die Walliser Behörden mitteilten, deuten Videoaufnahmen und Zeugenaussagen darauf hin, dass der Brand durch sogenannte Sprühkerzen ausgelöst wurde, die an Champagnerflaschen befestigt waren. In den sozialen Medien kursieren inzwischen Aufnahmen, die zeigen, wie eine Kellnerin – zwei brennende Flaschen in der Hand – auf den Schultern einer anderen Person sitzt und mit einer Kerze dem Schallschutzmaterial an der Decke gefährlich nahekommt.
Das Material, vermutlich brennbarer Akustikschaumstoff, fing sofort Feuer. Binnen Sekunden breitete sich der Brand im gesamten Kellergeschoss aus – viele Gäste hatten offenbar keine Chance zur Flucht.
Strafverfahren gegen Barbetreiber – schwerwiegende Vorwürfe
Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat mittlerweile ein Strafverfahren gegen das Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti eröffnet. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie die fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Jessica Moretti war zur Zeit des Unglücks in der Bar und wurde verletzt, ihr Ehemann war nicht anwesend.
Das französische Ehepaar lebt seit rund 25 Jahren im Wallis und betreibt neben Le Constellation zwei weitere Lokale. Das betroffene Lokal übernahmen sie 2015 – die Renovierung, einschließlich der Deckengestaltung, nahmen sie eigenen Angaben zufolge weitgehend in Eigenregie vor.
Kontrollen offenbar lückenhaft – auch Gemeinde im Fokus
Besonders brisant: Betreiber Jacques Moretti gab an, dass die Bar in zehn Jahren lediglich dreimal kontrolliert worden sei – obwohl gesetzlich eine jährliche brandschutztechnische Überprüfung vorgesehen ist. Sollte diese Aussage zutreffen, wären die zuständigen Gemeindebehörden ihrer Kontrollpflicht in grober Weise nicht nachgekommen.
Die Gemeinde Crans-Montana selbst verweist in der Angelegenheit an die Kantonspolizei, die sich bislang nicht konkret äußert. Gemeindepräsident Nicolas Féraud betonte gegenüber Schweizer Medien jedoch, es habe keine Nachlässigkeit gegeben. Am Wochenende gab die Gemeinde zudem bekannt, dass sie sich als Zivilklägerin am Strafverfahren gegen die Barbetreiber beteiligen will – ein ungewöhnlicher Schritt, der auch als Versuch gewertet werden kann, sich von etwaiger Mitverantwortung zu distanzieren.
In Deutschland werden die Ereignisse mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Katastrophe wirft grundlegende Fragen auf: Wie konnte es in einem der sicherheitsbewusstesten Länder Europas zu einem derart tödlichen Brand kommen? Wurden Warnzeichen übersehen? Und wie konsequent werden in der Schweiz geltende Vorschriften tatsächlich kontrolliert?
Der Vorfall erinnert an andere tragische Brandkatastrophen in Veranstaltungsräumen weltweit – etwa in Bukarest (2015) oder in Südamerika –, doch dass sich ein solches Inferno mitten in der Schweiz ereignet, überrascht viele.
Konsequenzen könnten weitreichend sein
Noch laufen die Ermittlungen. Neben der Frage nach der Brandursache steht nun auch die Einhaltung von Vorschriften im Mittelpunkt – etwa hinsichtlich Brandschutz, Fluchtwegen, Feuerlöschern und maximaler Gästezahl. Sollten Versäumnisse auf Seiten der Behörden festgestellt werden, könnte das auch juristische Folgen für die Gemeinde haben.
Die Tragödie von Crans-Montana ist nicht nur ein erschütterndes Einzelschicksal für die Angehörigen der Opfer. Sie könnte zu einem Wendepunkt im Umgang mit Sicherheitsstandards im Schweizer Nachtleben werden – und mahnt auch in Deutschland zur Wachsamkeit bei Brandschutz und Veranstaltungsaufsicht.
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