In Niedersachsen hat die Polizei fünf junge Männer im Alter zwischen 19 und 21 Jahren vorläufig festgenommen, die im Verdacht stehen, gezielt Nutzer von Dating-Apps in eine Falle gelockt und anschließend körperlich attackiert zu haben. Die Festnahme erfolgte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stade im Rahmen eines geplanten Polizeieinsatzes, als die Gruppe offenbar gerade ein weiteres Opfer treffen wollte.
So sollen die Täter vorgegangen sein
Laut den bisherigen Ermittlungen nutzten die Verdächtigen verschiedene Dating-Apps, um Kontakt zu ihren späteren Opfern aufzunehmen. Nachdem ein Treffen vereinbart wurde, erschienen sie in Gruppenstärke und griffen die Männer an. Dabei kam es zu teils erheblichen Verletzungen – in einigen Fällen mussten die Opfer medizinisch behandelt werden. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass es mehrere Geschädigte gibt, und sucht nach weiteren Betroffenen.
Möglicher Bezug zu „Pädo-Klatschen“
Ein besonders brisanter Punkt: Die Ermittler prüfen, ob die Angriffe im Zusammenhang mit der Szene des sogenannten „Pädo-Klatschens“ stehen. Dabei handelt es sich um eine Form der Selbstjustiz, bei der selbst ernannte „Kinderschützer“ vermeintliche Sexualstraftäter – häufig mutmaßliche Pädophile – über Social Media oder Messenger-Dienste kontaktieren, unter einem Vorwand zu Treffen locken, sie dort konfrontieren und die Begegnung filmen. Diese Aufnahmen werden oft online veröffentlicht, um die Betroffenen öffentlich bloßzustellen.
Das Problem: Nicht nur sind solche Aktionen selbst strafbar, sie können auch Menschen treffen, die völlig unschuldig sind. Zudem eskalieren solche Situationen häufig, was zu gefährlichen körperlichen Auseinandersetzungen führt. In einigen dokumentierten Fällen kam es zu schweren Verletzungen, Bedrohungen und psychischen Traumata der Betroffenen.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Staatsanwaltschaft Stade und die Polizeiinspektion Stade arbeiten eng zusammen, um den genauen Ablauf der Taten zu rekonstruieren. Neben der Klärung der Tatmotive wollen die Ermittler herausfinden, wie viele Opfer es gibt und ob die Gruppe auch in anderen Regionen aktiv war.
Aktuell wird geprüft, ob die Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen werden. Ihnen drohen – je nach Schwere der nachgewiesenen Taten – Strafen wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und möglicher weiterer Delikte.
Polizei warnt vor Risiken bei Dating-Apps
Unabhängig vom konkreten Fall warnen die Behörden erneut vor den Gefahren von Online-Dating. Nutzer sollten Treffen grundsätzlich in der Öffentlichkeit vereinbaren, Freunden oder Angehörigen vorab den Treffpunkt mitteilen und im Zweifel eine Begleitung bitten, in der Nähe zu bleiben. Besonders bei plötzlichen, ungewöhnlichen Vorschlägen für den Treffpunkt oder wenn das Gegenüber sehr auf ein rasches Treffen drängt, sei Vorsicht geboten.
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