Gold – seit Jahrtausenden steht es für Reichtum, Sicherheit und ewige Werte. Es glänzt, es verführt, es beruhigt das Bauchgefühl in Krisenzeiten. Wer Gold besitzt, meint oft, auf der sicheren Seite zu stehen. Und genau das macht es so gefährlich.
Sie schmunzeln vielleicht bei der Überschrift – Faszination Gold, Gier und Betrug –, aber für mich gehört das untrennbar zusammen. Denn anders sind die zahlreichen Goldbetrügereien der letzten Jahre kaum zu erklären. Immer wieder gelingt es dubiosen Anbietern, mit dem edlen Metall eine Story zu erzählen, die bei vielen den gesunden Menschenverstand ausschaltet – und leider oft das Vermögen gleich mit.
Gold kaufen, Geld zurück – und das Gold noch obendrauf?
Klingt absurd? Ist es auch. Und doch funktioniert genau dieses Geschäftsmodell. Man bietet einem Verbraucher an, für beispielsweise 100.000 Euro Gold zu kaufen. Die Zahlung erfolgt sofort – das Gold jedoch wird erst Jahre später geliefert. Und als wäre das nicht genug: Monatlich bekommt der Kunde „Raten“ zurückgezahlt – angeblich aus Rabatten, Rückvergütungen oder „Partnerschaftsboni“. Und nach drei Jahren? Da gibt’s dann das Gold noch „obendrauf“.
Was für ein cleveres Investment, möchte man meinen. Doch in Wahrheit handelt es sich um eine Finanzanlage mit Scheinsicherheit, häufig ohne rechtliche Absicherung, ohne Eigentumstitel und oft ohne Rücklagen für den Fall, dass das System zusammenbricht. Und das passiert – früher oder später – mit beinahe mathematischer Sicherheit.
Rohgold – die Mär vom Goldschatz mit Traumrenditen
Ein weiteres Kapitel aus dem Drehbuch der Abzocke: Rohgold-Investments. Kunden wird suggeriert, sie könnten sich an der Verarbeitung oder dem Vertrieb von Rohgold beteiligen – mit enormen Gewinnchancen, versteht sich. Gold aus Afrika, Südamerika oder anderen exotischen Quellen – angeblich günstig eingekauft, raffiniert verkauft, und der Anleger mittendrin statt nur dabei.
Was viele nicht verstehen: Der Handel mit Rohgold ist komplex, risikoreich und stark reguliert. Wer hier investiert, ist häufig nicht Mitunternehmer, sondern schlicht Opfer. Von „enormen Renditen“ bleibt oft nur der Wunschzettel.
Zollfreilager und Sammelverwahrung – Eigentum ungewiss
Noch eine raffinierte Masche: Gold, das im Zollfreilager in der Schweiz eingelagert wird – angeblich sicher, angeblich für den Kunden. Doch bei genauer Prüfung stellen viele fest: Das Gold ist nicht individualisiert, sondern liegt „in Sammelverwahrung“. Der Eigentumsnachweis? Fehlanzeige. Bei Insolvenz des Anbieters wird aus dem Goldbesitzer plötzlich nur noch ein Gläubiger – mit wenig Aussicht auf Rückgabe oder Entschädigung.
Und selbst wenn es wirklich physisch existiert – wer garantiert, dass es nicht mehrfach verkauft oder beliehen wurde?
Warum fällt man immer wieder darauf rein?
Die Antwort ist so alt wie das Gold selbst: Faszination und Gier. Gold steht für Sicherheit – und genau das wird zur psychologischen Falle. Kombiniert mit dem Versprechen hoher Renditen, werden aus vorsichtigen Sparern schnell euphorische „Investoren“. Und weil Gold physisch ist – greifbar – glauben viele, es sei automatisch „real“. Doch zwischen Werbung und Wirklichkeit liegen oft Welten.
Was lernen wir daraus?
- Gold ist kein Renditeobjekt – es ist ein Wertspeicher, mehr nicht.
- Wer monatliche Rückzahlungen verspricht und gleichzeitig spätere Lieferung von Edelmetall, betreibt kein Geschäft, sondern ein Schneeballsystem.
- Wer kein direktes, individualisiertes Eigentum nachweisen kann, hat kein Eigentum.
- Und wer glaubt, Goldinvestments seien sicher, weil es ja „nur Gold“ ist, der unterschätzt die Kreativität der Betrüger.
Fazit: Gold glänzt – aber nur, wenn es echt ist.
Echtheit zeigt sich nicht nur im Material, sondern auch im Geschäftsmodell. Wer Gold kauft, sollte es sofort erhalten, physisch verwahren können und nicht mit Zinsversprechen geködert werden. Ansonsten ist es kein Goldgeschäft, sondern eine Illusion mit goldenem Anstrich.
Die Faszination bleibt – aber bitte mit Verstand. Denn wer nur aufs Glitzern schaut, sieht oft nicht den Abgrund dahinter.
Versprechungen und Marktschreiereien von dutzenden Tonnen Gold und hunderten Millarden Dollar Gewinn, mehr oder weniger für lau, wirken auch immer hysterischer. Da können die Anleger nur hoffen dass das nicht der Panik entspringt der aktuelle Geldzufluss könne schon bald nicht mehr reichen die Auszahlungen zu decken.